Die Folgen von Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch

Liebe Leserin, lieber Leser,

Vernachlässigung und Misshandlung sind die häufigsten Ursachen körperlicher und seelischer Schädigung von Kindern.  Doch nicht nicht nur gravierende Misshandlungen ziehen schwere Folgeschäden nach sich, sondern auch subtile Formen psychischer und physischer Gewalt. Die Folgen reichen bis ins Erwachsenenalter. Ein Überblick.

Traumatherapie - Dörthe Huth
Foto: Roger Becker

Je jünger das Kind, umso größer die Schädigung

Säuglinge und Kleinkinder sind von ihren Bezugspersonen abhängig, auf deren Fürsorge und zuverlässige Versorgung angewiesen. Für sie kann eine mangelnde Versorgung schon nach kurzer Zeit zu einer lebensbedrohlichen Situation werden. Unter körperlicher Kindesmisshandlung sind dabei alle Handlungen zu verstehen, die mit körperlicher Gewalt einhergehen und zu Entwicklungsbeeinträchtigungen führen können. Die psychische Kindesmisshandlung beginnt da, wo die Bezugspersonen den Kindern zu verstehen geben, dass sie wertlos, ungewollt oder ungeliebt sind oder nur dazu dienen, die Bedürfnisse eines anderen Menschen zu erfüllen. Je stärker die Vernachlässigung und je jünger das Kind, umso größer ist das Risiko dauerhafter Folgeschäden. Misshandelte Kinder sind häufig Kinder, die viel Aufmerksamkeit brauchen. Behinderte Kinder werden häufiger misshandelt als andere Kinder. Doch auch in Familien, in denen die Eltern arbeitslos sind, psychisch krank oder an einer Sucht leiden, kommen Kindesmisshandlungen häufiger vor. Die Folgen von Kindesmisshandlung sind gravierend. So sterben immer wieder Kinder an einem Schütteltrauma, verhungern und verdursten, auch in unserer Überflussgesellschaft. In einem Interview mit dem Schweizer Tagesanzeiger vom 21.01.2010 unterschied der Arzt am Kantonsspital Zürich, Dr. Ulrich Lips, zwischen Misshandlungen aus Überforderung und böswilligen Misshandlungen. Sexuelle Übergriffe nennt er als Beispiel für böswillige Misshandlungen, da sie absichtlich und geplant vor sich gehen. 95 Prozent aller anderen Kindesmisshandlungen geschähen aus der Überforderung der Eltern heraus.

Ganz subtil – psychische Misshandlung

Doch auch ganz subtile psychische Misshandlungen hinterlassen sichtbare Spuren. Zu erkennen ist das beispielsweise in manchen Trennungsprozessen, wenn Eltern ihr Kind manipulieren oder instrumentalisieren. Laut Dr. Lips werden sie beispielsweise mit Aussagen wie diesen konfrontiert: “Du willst doch gar nicht mehr zum Vater/zur Mutter, bei mir ist es doch viel besser”. Psychische Misshandlungen wie Manipulationen, dauernde Erniedrigungen oder Beschimpfungen führen bei Kindern nicht selten zu psychosomatischen Erkrankungen. Viele dieser Kinder sind einfach traurig, wollen nicht mehr spielen, können nicht mehr schlafen oder verweigern das Essen. Sind Kinder über einen längeren Zeitraum solchen Missbrauchssituationen ausgesetzt, können noch gravierendere psychische Störungen die Folge sein, wie beispielsweise eine Veränderung der Persönlichkeitsstruktur. Selbst bei Erwachsenen können solche seelischen Erschütterungen noch eine Überforderung des biologischen Stresssystems verursachen. Das Erleben ist so außergewöhnlich, dass es sich nicht wie gewohnt in den bisherigen Erfahrungsschatz integrieren lässt – um wieder Abstand dazu gewinnen zu können. Der Organismus bleibt auf einem erhöhten Stresslevel in einer Art Daueralarm. Somit wirkt sich traumatisches Erleben nicht nur auf die Psyche sondern auch auf den Körper.

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Beispiele für langfristige Folgen

Die menschlichen Schutzmechanismen führen dazu, dass Kinder solch eine Extrembelastung überstehen und danach sogar irgendwie weiter funktionieren. Dennoch können sich die Folgen von Missbrauch, Misshandlung oder Vernachlässigung auch im Erwachsenenalter noch auf sehr unterschiedliche Art und Weise zeigen. Beispielsweise durch:

•Bindungsstörungen, Beziehungsprobleme oder und Partnerschaftsprobleme

•Störungen in der Wahrnehmung der eigenen Gefühle und / oder des Körpers

•Soziale Isolation, emotionaler Rückzug, Misstrauen gegenüber anderen Menschen

•Depression, Essstörungen, Ängste

•Alkohol – oder Drogenmissbrauch

•Gefühle der Wertlosigkeit, Scham, Schuld, Wut

•psychosomatische Beschwerden

Traumatherapie - Dörthe Huth

Traumatherapie – Damit belastende Ereignisse nicht das ganze Leben bestimmen

Damit die belastenden Ereignisse nicht das Leben bestimmen, ist eine Psychotherapie ratsam oder eine spezielle Traumatherapie. Das weltweit bekannteste Verfahren ist die EMDR-Therapie (Eye Movement Desensitization and Reprocessing), die von der US-Amerikanischen Literaturwissenschaftlerin und Psychologin Francine Shapiro entwickelt wurde. EMDR beruht auf der Annahme, dass schnelle Augenbewegungen, wie sie im Schlaf in den REM-Phasen eines Menschen auftreten, wichtige Ereignisse verarbeiten. Durch die Anleitung zu schnellen Augenbewegungen sollen die Verarbeitungsprozesse im Gehirn aktiviert und der Selbstheilungsprozess angeregt werden.  In Deutschland hat Prof. Dr. Luise Reddemann die “Psychodynamisch Imaginative Trauma Therapie” (PITT)  speziell für Klinikaufenthalte entwickelt. Sie gliedert sich in drei Phasen und beinhaltet Techniken und Methoden aus verschiedenen psychotherapeutischen Verfahren. In der ersten Phase der inneren Stabilisierung wird die Fähigkeit zur Spaltung (Dissoziation) der Psyche genutzt, um sich von belastenden Gefühlen zu distanzieren und der Entwicklung von inneren „Kraftquellen“ Raum zu geben. Mit Hilfe innerer Bilder (Imaginationen) werden belastende Gefühle in der Vorstellung in einen „inneren Tresor“ gebracht und dort weggeschlossen. Der Betroffene erschließen sich ihren inneren „sicheren Ort“, einen „inneren Helfer“ oder aktivieren ihren „inneren Heiler“. Kombiniert mit Achtsamkeits- und Körperübungen sowie einem Notfallkoffer mit Selbsthilfestrategien erlebt der Betroffene zunehmend, dass er wieder fähig wird, sich selbst unter Kontrolle zu bringen.

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Durch Techniken, sich selbst zu beobachten oder die Situation als Zuschauer auf einer Leinwand zu sehen, oder von einem Hubschrauber aus zu beobachten, kann in der zweiten Phase der Traumabearbeitung eine vorsichtige Annäherung an die die traumatischen Gefühle erfolgen.  In der letzten Phase, der Integration des Traumas, geht es darum einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen und Gefühlen von Trauer, Scham, Wut oder Schuld Raum zu geben, um Versöhnung mit sich selbst zu erreichen. Dazu helfen Rituale, Geschichten, Dankbarkeitsübungen und viele weitere Übungen aus verschiedenen therapeutischen Schulen.  Imaginationen, Entspannungsmethoden, Körperübungen, Selbstberuhigungsstrategien und anderes helfen dabei, die traumatische Situation neu zu bewerten und belastende Erinnerungen dosiert loszulassen.

Wenn Sie Möglichkeiten suchen, Stress abzubauen, Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren oder bestimmte Erfahrungen loslassen möchten, freue ich mich auf Ihre Anmeldung zu einem Coaching oder zu einer Übergangstherapie. Rufen Sie mich einfach an unter der Telefonnummer: 02362 7877990 oder schreiben mir eine eMail über das Kontaktformular.

Ihre Dörthe Huth

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Hinweise zum Weiterlesen

Übergangstherapie

 Psychotherapie

Winterwassertief – Lilly Lindner

 Weitere Literaturhinweise zum Thema:

Beate Galm, Katja Hees, Heinz Kindler: Kindesvernachlässigung – verstehen, erkennen, helfen. Reinhardt 2010.

Diana Hahn: Kindesvernachlässigung: Wahrnehmen, Verstehen, Handeln im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe. Diplomica 2011.

Ulrike Alle: Kindeswohlgefährdung: Das Praxishandbuch. Lambertus 2010.

 

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