Die heilsame Kraft der Vergebung – Verzeihen bedeutet loslassen

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Kränkungen, Demütigungen, Enttäuschungen und andere Verletzungen können tiefe Wunden hinterlassen. Das kann einen Streit mit dem Nachbarn ebenso betreffen wie einen Seitensprung des Partners oder eine völlig unbedachte Äußerung der Kollegin. Ein guter Weg, einen Schlussstrich unter einen unangenehmen Vorfall zu setzen, ist das Verzeihen. Verzeihen und Loslassen haben viel miteinander zu tun. Wer verzeiht, lässt die Vorstellungen los, wie die Welt, andere Menschen oder Geschehnisse zu sein haben. Es bedeutet nicht, gut zu finden, was passiert ist, sondern die Verantwortung für das eigene Gefühlsleben zu übernehmen. Damit distanzieren wir uns innerlich und können die Dinge mit mehr Gelassenheit betrachten. Verzeihen befreit!

Die Opferrolle frisst Lebenskraft

Wenn eine Verletzung Narben hinterlässt, gährt noch lange danach die Wut in uns, die Enttäuschung, Verbitterung oder sogar Verzweiflung. Diese Gefühle sind jedoch in hohem Maße selbstschädlich. Wir untergraben den eigenen Selbstwert und verschwenden Energien auf eine Sache, mit der wir eigentlich nichts mehr zu tun haben möchten. Zwar kostet auch das aktive Verzeihen Kraft, wer aber in der Opferrolle stecken bleibt, wird seine Energien weiter auf das Leiden ausrichten. Jeden Tag an etwas zu denken, was man innerlich eigentlich abhaken und am liebsten vergessen würde, frisst Lebenskraft. Aber genau das tun wir, wenn wir uns immer wieder über einen anderen Menschen oder dessen Verhalten ärgern. Selbstverständlich haben Wut, Ärger und Enttäuschung auch ihre Berechtigung im Leben. Ab und zu bedarf es auch mal einer klaren Grenze, die ansonsten vielleicht von Kollegen, Familienmitgliedern oder anderen Mitmenschen übergangen wird. Schmerz und Verlust zu verarbeiten braucht seine Zeit. Vergebung bewirkt einen Selbstreinigungseffekt. Schon mit der klaren Entscheidung, jemandem etwas zu verzeihen, geht es einem gleich etwas besser.

Verzeihen ist ein Zeichen innerer Stärke

Verzeihen und vergeben wird häufig damit gleichgesetzt, ein Geschehen zu befürworten oder das Verhalten eines Menschen zu tolerieren. Verzeihen wird als Schwäche interpetiert, als Selbstverleugnung oder Resignation. Dabei ist die aufrichtige Bereitschaft zur Vergebung ein deutliches Zeichen innerer Stärke, zeugt von geistigem Tiefgang und persönlicher Reife. Es bedeutet, die Verletzung, die entstanden ist, an den Verursacher zurück zu geben und die eigene Belastung dadurch zu reduzieren. Dadurch entsteht mehr Freiheit für das eigene Denken, Fühlen und Handeln. Für das Verzeihen ist es notwendig, einmal von der eigenen Perspektive der Betroffenheit abzurücken und zu versuchen, sich in die Lage des anderen zu versetzen. Nur einen Moment lang sollten wir versuchen, uns in sein Denkgebäude einzufinden und seine Verletzungen zu sehen, aus denen heraus er agiert. Aus seiner Sichtweise kann das Geschehen nämlich schon ganz anders aussehen.

  • Was kann diesen Menschen wohl zu seinem Handeln veranlasst haben?
  • War die Aktion tatsächlich gegen Sie persönlich gerichtet?
  • War sie eventuell eine überzogene Reaktion auf Ihr Verhalten dem anderen gegenüber?
  • War sie wirklich ein vorsätzlicher, persönlicher Angriff, eine Beleidigung o.ä.?
Verzeihen heißt loslassen

Täter oder Opfer: Die Perspektive verändern

Wer sich entscheidet, der Beziehung noch eine Chance zu geben, sollte erst einmal die offene Aussprache suchen, in der die Gefühle von Enttäuschung, Wut oder Kränkung ihren Raum finden. Nicht selten haben sich die Ereignisse von zwei Seiten hochgeschaukelt, man selbst hat eine wie auch immer geartete Beteiligung an dem Vorfall oder war in diesem Moment der Auslöser. Häufig reicht es schon, miteinander ins Gespräch zu kommen und den Vorfall von beiden Seiten zu beleuchten. Das schafft wieder ein Verständnis füreinander.Das Verständnis der Beteiligten füreinander vereinfacht es, wieder auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Häufig ist der andere sehr betroffen von den Auswirkungen seines Tuns und es findet sich wieder ein gemeinsamer Weg. In einem solchen Fall geschieht das Verzeihen nebenbei. Ist dies nicht der Fall, ist dies zumindest ein deutliches Signal, dass die Beziehung von da an anders weiterläuft als zuvor gehofft. Aufeinander zuzugehen und sich einander wieder anzunähern ist nicht immer so einfach. Manchmal fehlt es an geeigneten Ideen, daher sind im Folgenden einige Beispiele aufgelistet:

  • das offene Gespräch suchen
  • eine Grußkarte versenden
  • zum Essen einladen
  • eine SMS mit der Bereitschaft zur Versöhnung schicken
  • die Situationskomik in ein Gedicht bringen und per Mail versenden

Für sich selbst einstehen – mehr Persönlichkeit

Schwieriger ist es, wenn die Gegenseite uneinsichtig ist, mit Attacken, Grenzverletzungen oder Übergriffen noch weiter macht. Niemand muss sich alles einfach gefallen lassen. Schimpfen, meckern und motzen kann befreiend wirken. Aber dauerhaft die beleidigte Leberwurst oder den Übellaunigen zu spielen, während man innerlich hofft, dass der andere doch noch irgendwann reumütig um Verzeihung bittet, kostet viel Kraft, die dann für die schönen Seiten des Lebens fehlt. Selbst wenn wir es als sinnvoll erachten und es uns für jemanden sogar wünschen, können wir andere Menschen nicht verändern. Ansetzen kann jeder aber bei sich selbst. Die Dinge beispielsweise nicht so schwer zu nehmen, sich früher zu wehren oder innerlich wirklich mit einem Geschehnis abzuschließen.

Einem Menschen zu verzeihen, ist eine starke Geste. Es bedeutet, mit den eigenen unangenehmen Gefühlen abzuschließen, die damit verbunden sind und mit den Grübeleien darüber, warum und wieso er oder sie das gemacht hat. Verzeihen bedeutet loslassen, es lässt uns wachsen und setzt wieder Energien für die schönen Seiten des Lebens frei.

Grenzen schützen und verzeihen – kein Widerspruch

Wurden die eigenen Grenzen zu sehr verletzt und das eigene Recht mit Füßen getreten, sollte sich niemand scheuen, für sich selbst einzutreten. Gegen Beleidigungen, körperliche Übergriffe oder anderen Terror kann sich jeder wehren. Dazu ist es wichtig, sich Rat und Hilfe zu holen. Manchmal ist dafür ein Anwalt notwendig, ein Schiedsmann, der Betriebsrat o.ä. Stellen, die einem dazu verhelfen, dass Grenzen respektiert und gewahrt werden. Manche Vorkommnisse können so gravierend sein, dass ein Kontaktabbruch stattfindet. Dann ist es sinnvoll, sich nicht vom anderen, dessen Erklärungen oder seiner Reue abhängig zu machen. Das Verzeihen funktioniert auch einseitig und wirkt dennoch befreiend.

Wenn Sie einem Menschen nicht verzeihen oder vergeben können und das Ereignis dennoch loslassen möchten, freue ich mich auf Ihren Anruf zur Vereinbarung eines Coaching-Termins. Rufen Sie mich einfach an unter 02362/7877990 oder schicken mir eine E-Mail über das Kontaktformular. Ich würde mich freuen, Sie in meiner Praxis in Dorsten begrüßen zu dürfen.

Ihre Dörthe Huth

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