Die erste Zeit in der Soltauer Künstlerwohnung

Liebe Leserin, lieber Leser,

nun wohne ich bereits einige Tage in der Künstlerwohnung in Soltau und habe endlich die Möglichkeit, darüber zu berichten. Bisher war ich in der Wohnung fast ganz vom Internet abgeschnitten, weil der Router offenbar defekt war. Anfangs habe ich viele Stunden erfolglos damit verbracht, meine Geräte mit dem Router zu verbinden. Netterweise hat es auch der Hausmeister und die Bibliothekarin versucht, es hat aber einfach nicht funktioniert. Gestern waren nun die Techniker hier und haben alles in Ordnung gebracht. Nun kann ich endlich einige Eindrücke aus Soltau teilen.

Bibliothek Waldmühle

Ankunft in der Soltauer Künstlerwohnung

Eigentlich ist es vom Ruhrgebiet aus ja nicht so weit bis Soltau, doch an meinem Anreisetag bin ich von einem Stau in den nächsten gefahren, sodass ich fast vier Stunden unterwegs war. Losgefahren bin ich bei leichtem Nieselregen, der einen Sprühnebelfilm auf der Autobahn verteilt hat. Dann wurde es immer dunkler und regnerischer, sodass ich eine ziemlich miese Autofahrt hatte. Zuerst stand ich bei Recklinghausen im Stau, dann am Kamener Kreuz, bei Hannover und kurz vor Soltau auch noch. Und je näher ich an Soltau herankam, umso mehr hat es geregnet. Gegen 14 Uhr 30 kam ich im strömenden Regen an. Empfangen wurde ich netterweise sehr herzlich mit Kaffee und Kuchen, für den die „Freunde der Soltauer Künstlerwohnung“ gesorgt haben.
Vom Haus, in dem die Künstlerwohnung liegt, habe ich an meinem Anreisetag nicht viel wahrnehmen können. Der Himmel war dunkel und es hat in Strömen geregnet, sodass ich versucht habe, meine Sachen möglichst schnell aus dem Auto in die dritte Etage zu verfrachten. Da die Künstlerwohnung direkt unter dem Dach in der dritten Etage über der Bibliothek Waldmühle liegt, habe ich mir keine weiteren Gedanken darüber gemacht, dass der Regen die ganze Nacht über recht laut auf das Dach prasselte. Als ich am nächsten Morgen aus dem Fenster sah, war es draußen zwar noch dunkel, aber das Geräusch fließenden Wassers passte nicht so recht zu dem bisschen Nieselregen. Das Geräusch stellte sich dann als das Rauschen des Wehrs heraus, das das Wasser der Böhme beständig weiterschaufelt.

Dörthe Huth vor den Werken der bisherigen Künstler, die für eine Weile in der Künstlerwohnung Soltau gearbeitet haben.

Ein zu Hause auf Zeit über der Bibliothek Waldmühle

Die Künstlerwohnung wurde gerade frisch renoviert und ist ganz liebevoll hergerichtet. Bei meiner Ankunft standen leuchtend gelbe Tulpen auf dem Tisch und auch sonst gibt es viele Kleinigkeiten, die das zu Hause auf Zeit recht heimisch machen. Die Wohnung ist komplett eingerichtet. Ein langer Schreibtisch steht direkt vor dem Fenster mit Blick auf das Flüsschen Böhme, dazu gibt es gemütliche Korbsessel, Radio und Fernseher. Es ist schon toll, woran die Freunde der Soltauer Künstlerwohnung alles gedacht haben. Töpfe, Besteck, ein Föhn oder die Gewürze im Küchenschrank. Ich hätte gar nicht so viel mitbringen müssen, wie ich eingepackt habe.
Ausgewählt werden die Künstler durch den Kulturausschuss der Stadt und dem Freundeskreis der Künstlerwohnung, einem Zusammenschluss engagierter Soltauer Bürger unter der Leitung von Frau Küster-Schmidt. Der Freundeskreis ist es auch, der die Wohnung in Schuss hält und die Künstler während ihres Aufenthaltes betreut. Die Idee dazu entstand Ende der 1970er Jahre mit der Einweihung der neuen Soltauer Bibliothek.

Im Flur sind gerahmte Zeitungsausschnitte der bisherigen Stipendiaten

Zu Gast in der Soltauer Künsterwohnung waren beispielsweise schon die Schriftsteller Lew Koppelew, Stefan Heym, Gudrun Pausewang oder Imre Török. Aber heute können sich Künstler aller Richtungen um ein Aufenthaltsstipendium in der Soltauer Künstlerwohnung bewerben. Ob Maler, Theatermacher, Kabarettisten, Fotografen, Schriftsteller, Liedermacher oder Bildhauer – die ausgewählten Künstler können die Zeit nutzen, um in Ruhe an ihren Werken zu arbeiten oder auch einfach, um sich zu erholen. Im Gegenzug bieten sie dafür in Soltau eine Mitmachwerkstatt an, eine Lesung, eine Musikveranstaltung, eine Ausstellung oder eine Diskussionsrunde. Eine Schreibwerkstatt mit dem Titel “Jeder Augenblick ist kostbar“, habe ich hier in der letzten Woche bereits durchgeführt. Mir hat das viel Freude gemacht und ich denke, den Teilnehmern auch. Darüber berichte ich dann in den nächsten Tagen, ebenso wie über meine Lesung, die hier noch am 22.02. in Soltau unter dem Titel “Liebe jeden Moment”  ansteht.

Spielemuseum

Soltau erkunden

Mittlerweile ist auch das Wetter besser geworden und ich habe mir hier in Soltau schon einiges angesehen. Ein Highlight hier vor Ort ist das Spielemuseum, in dem jede Menge Spielzeug aus den verschiedenen Jahrhunderten ausgestellt ist. Derzeit finden dort die Murmelwochen statt. Auf unterschiedlichsten Murmelbahnen kann man Murmeln gegeneinander antreten lassen, was einen Höllenkrach macht. Netterweise hat Frau Küster-Schmidt mich bei strahlendem Sonnenschein zu einem ganz wunderbaren Ausflug ins Pietzmoor mitgenommen. Während hier in der Stadt der Schnee schon wieder vollständig verschwunden ist, lag auf dem Moor noch eine Schneedecke, wodurch das Moor einen ganz märchenhaften  Zauber entfaltet hat. Es gibt aber noch jede Menge zu entdecken. In die Soltau Therme habe ich es beispielsweise noch nicht geschafft, aber ich habe ja auch noch ein bisschen Zeit.

Pietzmoor

Ganz herzlich bedanke ich mich bei allen Beteiligten, insbesondere Frau Küster-Schmidt und Familie Röder sowie allen Freunden der Soltauer Künstlerwohnung, die sich hier auf vielfältige Weise um mich bemühen, sowie allen anderen, die in irgendeiner Weise beteiligt sind, sowie dem hilfsbereiten Hausmeister oder den aufmerksamen Bibliothekarinnen der Bibliohek Waldmühle!

Damit wünsche ich noch eine schöne Woche,

Ihre Dörthe Huth

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