Ianina Ilitchera

Experiment Selbstentziehung: 183 Tage von Ianina Ilitchera

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Künstlerin Ianina Ilitcheva stellte für sechs Monate ihre sozialen Kontakte ein: keine Anrufe, kein Internet, keine Treffen mit Freunden – Dabei musste sie sich zwangsläufig mit dem Alleinsein auseinandersetzen. “Ich kann jederzeit abbrechen und zur Normalität zurückkehren, sage ich mir. Aber ich will nicht ohne triftigen Grund abbrechen. Ich möchte alles erfahren, was mir diese Reise zum Selbst offenbaren wird.” Ihre Erfahrungen hat die Künstlerin in diesem Buch festgehalten.

Ianina Ilitcheva: 183 Tage. Kremayr & Scheriau 2015. Hardcover, 288 Seiten.  ISBN: 978-3218009959. 29,90 Euro.

Auszeit künstlerisch verarbeitet

Ein halbes Jahr lang nahm sich die Kunststudentin Ianina Ilitcheva Zeit für ein außergewöhnliches Experiment. In Zeiten von Fernsehen und Internet nahm sie sich die ganz besondere Herausforderung vor: den Ausstieg aus dem Alltag und den Einstieg in die soziale Isolation. „Ich möchte alles erfahren, was mir diese Reise zum selbst Offenbarung wird. Ich will bis an den äußersten Rand des erträglichen gehen.“ Für ihr Experiment der Selbstentziehung, wie sie es nennt, hatte sie sich im Vorfeld selbst einige Regeln aufgestellt. Dazu gehörte beispielsweise, keinen Kontakt zu Freunden oder Bekannten aufzunehmen, nicht zu twittern oder andere soziale Netzwerke zu nutzen, nicht zu telefonieren, SMS oder E-Mails zu versenden. „Es ist, als bereite man sich auf eine lange Reise vor“, sagt sie zu Beginn des Buches. Bei unangekündigten Besuchen überlegt sie sich eine Ausnahme zu machen, ebenso bei unverzichtbaren Terminen – und Briefe möchte sie beantworten.

Selbstporträts, Skizzen und in Worte gefasstes Erleben

Für ihr Experiment verbrachte sie tatsächlich die meiste Zeit in ihrer Wohnung und gab sich der Inspiration hin, die aus ihr selbst heraus entstand und nicht aus sozialen Kontakten erwuchs. Manchmal zog sie allein durch die Straßen von Wien, initiierte aber selbst keine Gespräche. Als unerwartet ihr Hund verstirbt, fühlt sie sich besonders einsam und aus der Bahn geworfen. Auf 288 Seiten erzählt das Buch mit Tagebucheinträgen, Zeichnungen, Notizzetteln, Selbstporträts und kleinen Texten über das Alleinsein und was es mit ihr gemacht hat.

Die Künstlerin und ihr Buch

Die 1983 in Usbekistan geborene Ianina Ilitcheva zog mit acht Jahren nach Wien. Sie studierte Malerei an der Akademie der bildenden Künste und schloss ein Studium der Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst an. Ihre Aufzeichnungen und Skizzen reichte sie als Diplomarbeit ein und es wurde ihr erstes Buch “183 Tage” daraus. Inhaltlich ist es ein “Egotrip”, mit dem sicherlich nicht jeder Leser etwas anfangen kann. Vom Verlag Kremayr & Scheriau hingebungsvoll als Hardcoverausgabe, farbig und mit Fotos auf Seidenpapier komponiert, ist das Buch ein Traum für jeden Autor und Künstler und der Preis von 29,90 Euro absolut gerechtfertigt.

Viel Lesevergnügen wünscht

Ihre Dörthe Huth

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