Glück, Karriere und Erfolg – Eine Frage der Intelligenz?

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

einer britischen Studie des Psychologie-Professors Richard Lynn aus dem Jahr 2006 zufolge sind die Deutschen neben den Niederländern das Volk mit dem höchsten Intelligenzquotienten in Europa. Dicht gefolgt von den Polen, Schweden und Italienern. Und tatsächlich, täglich flimmern bei uns Quizsendungen über den Fernsehbildschirm:„Wie intelligent ist Deutschland?“ „Das Wissensquiz“ und „Wer wird Millionär?“ Wissenssendungen haben Hochkonjunktur, denn Menschen mit einem hohen Allgemeinwissen werden als besonders intelligent angesehen. Aber braucht man zur Beantwortung dieser Wissensfragen besonders viel Intelligenz? Was genau ist eigentlich Intelligenz und wie lässt sie sich erfassen? Sind besonders intelligente Menschen glücklicher und beruflich erfolgreicher als andere? Wie können wir unsere Alltagsintelligenz ausbauen? Wozu brauchen wir emotionale Intelligenz? Diese und ähnliche Fragen beantwortet diese kleine Artikelserie in den nächsten Tagen.

Intelligenz zeigt sich in unterschiedlichen Formen

Im Allgemeinen gelten Menschen als intelligent, die sich ein besonders breites Allgemeinwissen angeeignet haben oder über ein spezielles Expertenwissen verfügen, wie Physiker, Mathematiker oder Astronomen. Im Alltag wird Intelligenz gleichgesetzt mit klug, schlau oder gescheit. In der Psychologie wird der Begriff der Intelligenz sehr viel konkreter gefasst. Intelligenz beschreibt relativ stabile generelle Fähigkeiten von Menschen, die für das Lernen in neuen Situationen wichtig sind. Zu intelligenten Leistungen gehört das Lösen von unbekannten und schwierigen Aufgabenstellungen, die Ergänzung von Zahlenreihen, die Vollendung geometrischer Figuren oder Wortreihen. Allerdings gibt es auch in der Psychologie bisher keine einheitliche Definition:

  • “Intelligenz ist die Fähigkeit, Schwierigkeiten in neuen Situationen zu überwinden” (Stern)
  • “Intelligenz betrifft die Fähigkeit, angemessen zu urteilen, schnell zu verstehen und einsichtsvoll zu überlegen” (Binet)
  • “Intelligenz ist das, was ein Intelligenztest misst” (Operationale Definition)

Intelligenz zeigt sich durch die Fähigkeit, Fragestellungen schnell und sinnvoll zu beurteilen. Besonders in neuen Situationen, in denen wir uns neu orientieren und zurechtfinden müssen, um zu einer Lösung zu kommen. Dieses Suchen und Finden von Lösungen wird in Intelligenztests genutzt.

Der IQ

Der Kinderpsychologe Binet führte Anfang des 20. Jahrhunderts den Begriff des Intelligenzquotienten ein. Obwohl der IQ heute anders berechnet wird und in Relation zu Intelligenzleistung der Bevölkerung angegeben wird, wurde die Bezeichnung IQ beibehalten, weil sie sich im allgemeinen Sprachgebrauch durchgesetzt hat. Heutige Intelligenztests sind nach einem ähnlichen Grundraster angelegt, unterscheiden sich aber dennoch zum Teil ganz erheblich voneinander, abhängig vom jeweiligen Ziel und der Zielgruppe. Zum Beispiel brauchen Kinder andere Aufgabenstellungen als Erwachsene. Die meisten Intelligenztests messen eine Reihe von Aufgaben verschiedener Schwierigkeitsgrade innerhalb einer bestimmten Zeit. Je mehr Aufgaben schnell gelöst werden, desto höher ist die Ausprägung des Intelligenzfaktors. Auf diese Weise lässt sich ein Gesamt IQ ermitteln und ein Intelligenzprofil herstellen. Geprüft wird zum Beispiel:

  • Räumliches Vorstellungsvermögen
  • Sprachverständnis
  • Wort- und Ausdrucksflüssigkeit
  • Flexibilität des Denkens
  • Logisches Denken
  • Verarbeitungsgeschwindigkeit

Der Flynn-Effekt – wir werden ständig intelligenter

Intelligenztests werden genutzt, um Aussagen über die Zukunft treffen zu können. Über den Erfolg in der Schule beispielsweise, zur Berufseignung oder Leistungsfähigkeit im Beruf. Je nach Ziel bestehen sie aus einer Vielzahl von Aufgaben, die unterschiedliche kognitive Fähigkeiten erfordern. Zum Beispiel soll ein Mosaik zusammengefügt werden, die Gemeinsamkeit von bestimmten Wörtern erkannt, die Drehung eines Objekts im Raum gedanklich nachvollzogen, Zahlenreihen vervollständigt oder ein fehlendes Wort eingesetzt werden. So wird der d2-Test zur Prüfung von Geschwindigkeit und Konzentration eingesetzt. Dabei sieht der Klient d´s und p´s mit jeweils ober und unterstrichen und er muss bestimmte Ziel-Items aus der jeweiligen Reihe herausstreichen und das möglichst schnell. Zwar ist nicht jeder bei allen Aufgaben gleich erfolgreich, aber die Punktwerte ergeben hinterher den eigentlichen Wert. Als Ergebnis wird dann der sogenannte Intelligenzquotient ermittelt wobei dieser im Durchschnitt bei 100 Punkten liegt. was sich daraus errechnet das die Deutschen oftmals einen Wert zwischen 85 und 115 haben. Allerdings wird die Menschheit generell immer schlauer, fand der neuseeländische Politikwissenschaftler James Flynn bei einem Vergleich von Intelligenztests in den 1980er Jahren heraus. Dieses Phänomen wird daher als Flynn-Effekt bezeichnet. So verbesserte sich der Intelligenzquotient der Deutschen zwischen 1954 bis 1981 um ganze 17 Punkte.

Das Intelligenzprofil, Lebenszufriedenheit und Erfolg hängen nicht unmittelbar zusammen

Es sollte sich jedoch jeder bewusst machen, dass die Intelligenztests nicht Aufschluss über den Erfolg eines Menschen, dessen Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit oder Lebenszufriedenheit gibt. Privates Glück und beruflicher Erfolg sind nicht allein vom IQ eines Menschen abhängig, entscheidend ist auch seine Alltagskompetenz, seine sozialen Fähigkeiten, die Steuerung seiner Emotionen, sein Durchsetzungsvermögen und  und seine Fähigkeit, sich selbst zu motivieren. Alltagsintelligenz ist notwendig, um das Leben zu meistern, eigene Ziele zu finden und dabei die Lebensumstände zu berücksichtigen. Diese Alltagsintelligenz entspricht nicht unbedingt der akademischen Intelligenzmessung. Für den Schulerfolg ist nicht nur die Intelligenz eines Kindes ausschlaggebend, sondern auch seine familiäre Situation, ein günstiges Klassenklima und gute Beziehungen zu den Mitschülern. Kognitive Fähigkeiten und soziale Fertigkeiten entwickeln sich nicht immer im gleichen Tempo, deshalb können Kinder einerseits im regulären Schulbetrieb unterfordert sein, beim Überspringen einer Klasse aber auch sozial überfordert sein. Nicht anders ist es im Beruf. Jeder braucht ein Team, in dem er sich wohlfühlt, Arbeitsinhalte, mit denen er sich identifizieren kann und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Nur so ein Mensch sein ganzes Potential entfalten.

Die Durchführung von Intelligenztests gehört nicht zu meinem Aufgabengebiet, aber falls Sie sich mehr Arbeitszufriedenheit wünschen, eine bessere Rollenidentifikation oder sich die Sinnfrage stellen, sind Sie in meiner Beratung genau richtig – entweder direkt in meiner Praxis in Dorsten oder online per Webkonferenz. Mit diesen Überlegungen wünsche ich Ihnen noch eine schöne Woche,

Ihre Dörthe Huth

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5 Gedanken zu „Glück, Karriere und Erfolg – Eine Frage der Intelligenz?“

  1. Ich wusste es schon immer, Intelligenz ist nicht alles. Wer intelligent ist, muss deswegen nicht automatisch teamfähig sein oder sozial.
    In meiner Schreibwerkstatt habe ich ein intelligentes Mädchen, die ist aber total unsozial. Egal, ob gegenüber ihrer Freundin oder auch der Umgang mit mir.

    Interessanter Beitrag!

    Sonnige Grüße
    Sandra

  2. Liebe Sandra,
    dass ein hochintelligentes Kind mit seinem Verhalten aneckt, kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Zum Beispiel, weil es sich selbst als nicht zur Gruppe gehörig erlebt, weil es sich langweilt oder weil es die sozialen Regeln nicht versteht und deshalb andere Unterstützung braucht, als die anderen.
    Dir einen lieben Gruß und viel Geduld,
    Dörthe

    1. Liebe Dörthe,
      da ist tatsächlich was dran. Das Mädchen ist ein Einzelkind, habe ich mir vor Kurzem sagen lassen. Sie wird verwöhnt, bekommt immer ihren Willen und kann in dem Elternhaus keine freundliche Erscheinung lernen, denn sie bekommt ihre Wünsche ja auch bei unhöflichem Auftreten. Respekt fehlt. Sie kann grüßen, sich freundlich bedanken, aber alles andere muss sie noch lernen.

      Ein ehemaliger Schüler sagte mir, ich solle diese Kinder erziehen, schließlich habe ich es bei ihm auch geschafft 😉 Das Problem ist, ich bin nur eine Nachhilfe. Ich habe klare Regeln, wovon sie einige bereits missachtet und nur mit Knurren und unpassenden Kommentaren erledigt. Ich habe mir trotzdem vorgenommen, soziale Regeln aufzustellen. Stückchenweise. Drück mir bitte die Daumen!

      Sonnige Grüße
      Sandra

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