Hochsensibel – Potential und Last sensibler Menschen

Liebe Leserin und lieber Leser,
“Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.” Albert Einstein

Gleich zu Beginn des Jahres möchte ich Ihnen ein Thema vorstellen, mit dem ich mich schon seit geraumer Zeit beschäftige: Hochsensibilität. Ich habe viel mit Menschen aus sozialen Berufen zu tun, Sozialarbeiter, Psychologische Berater, Coaches und Heilpraktiker (Psychotherapie). Wer einen solchen Beruf ergreift, braucht ein gewisses Gespür für andere Menschen, Einfühlungsvermögen und das Wissen um Krisen. Diese Feinfühligkeit ist für therapeutische, pädagogische und heilende Berufe besonders geeignet, findet sich aber auch bei vielen Menschen, die Musik machen, Theater spielen oder sich mit bildender Kunsch beschäftigen. Hochsensible Menschen sind häufig sehr kreative, manchmal auch sehr stille und zurückgezogene Charaktere, die häufig sehr ähnliche Schwierigkeiten haben: die Welt ist für sie zu grell und zu laut, sie leiden unter Stress und müssen immer wieder Grenzen setzen, um sich zu fokussieren.

So nehmen Hochsensible wahr

Erst zum Ende der 1990er Jahre beschrieb die US-Psychologin Elaine Aaron die “Highly Sensitive Person“ (HSP), zuvor wurde dieses Phänomen kaum wahrgenommen. Mit der Zeit beschäftigen sich aber Wissenschaft und Therapie zunehmend mit der Hochsensiblität, die im deutschen Sprachraum auch als Hypersensibilität oder Hochsensitivität bezeichnet wird. Heute geht man davon aus, dass etwa 20% der Bevölkerung hochsensibel sind. Viele Betroffene wissen jedoch nichts über ihre Hochsensibilität und können daher ihre Besonderheiten auch nicht einordnen. Die erhöhte Sensibilität lässt sehr tiefgründiges Erleben zu. Liebe und Leid, Kunst und Musik, Naturerfahrungen oder emotionale Schwingungen anderer Menschen, all dies erfahren HSP sehr intensiv. Manchmal erspüren Hochsensible sogar, wie es einem anderen geht, bevor sich dieser seiner Gefühle selbst bewusst ist. Oft denken sie in größeren Zusammenhängen, sind über lange Zeit begeisterungsfähig, sehr gewissenhaft und differenziert. Susan Marletta-Hart hat in ihrem Buch „Leben mit Hochsensibilität“ einige Charakteristika herausgearbeitet. Gehören Sie vielleicht auch dazù?

Hochsensible

  • haben ein Bedürfnis nach Ruhe und Stille
  • spüren die Gefühlszustände anderer sehr deutlich
  • haben sehr viel Phantasie
  • sind sorgfältig und bewusst
  • sind tief berührt durch Schönheit und Kunst
  • arbeiten gerne in ihrem eigenen Tempo

 Sei doch nicht immer so empfindlich

Hochsensible Menschen erleben ihre Umwelt besonders intensiv, fühlen, hören oder riechen intensiver als andere. Dadurch sind sie gleichzeitig stressanfälliger und häufig auch verletzlicher als andere. Experten gehen davon aus, dass die Wahrnehmungsfilter im Gehirn Hochsensibler anders funktionieren. Während es Normalsensiblen gelingt, durch ihre stärkeren und angepassteren Wahrnehmungsfilter die störenden Reize herauszufiltern, nehmen Hochsensible mehr Informationen auf, die zudem intensiver wahrgenommen werden. Sie müssen also mehr Reize verarbeiten als andere, sodass sie in der Folge meist langsamer sind, stressanfälliger und weniger belastbar. Das bedeutet auch, dass Arbeitsabläufe bei Hypersensiblen länger dauern können, weil sie genau hinsehen oder sich im Detail verlieren. Dabei ist nicht jeder Hochsensible dem anderen gleich, sondern jeder entwickelt seine vorrangigen Wahrnehmungskanäle auf unterschiedliche Weise. So kommt es, dass einige HSP besonders schmerzempfindlich sind und andere wiederum sehr lärm- oder geruchsempfindlich. Von anderen werden sie daher auch schnell als zu empfindlich, überspannt oder überfordert eingestuft. Mit dem deutschen Wort „sensibel“ schwingt im Alltagsgebrauch häufig eine negative Bedeutung mit. Wer will schon ein „Sensibelchen“ sein oder dauernd zu hören bekommen “Nimm dir doch nicht alles so zu Herzen”.

Bedürfnisse anerkennen und einfordern

Viele HSP versuchen ihre Symptome zu unterdrücken oder zu kompensieren. Dadurch können sich ihre Fähigkeiten, ihre Kreativität und ihr Selbstbewusstsein allerdings nicht richtig entfalten. Nicht wenige Hochsensible entwickeln seelische und körperliche Symptome, Ängste, Schlafstörungen, Essstörungen, Depressionen oder Burnouterscheinungen. Kann ein Betroffener die Hochsensibilität akzeptieren, geht das häufig mit Erleichterung einher. Aufklärung und Auseinandersetzung bewirkt, dass man sich selbst besser einordnen, Defizite und Potential leichter annehmen kann. Sich selbst gerecht zu werden, Bedürfnisse anzuerkennen und einzufordern, die eigenen Grenzen zu spüren und auch der Umwelt gegenüber zu setzen sowie das Gefühl von Selbstbestimmung sind immer wieder wichtige Themen für HSP.
Wenn Sie im Ruhrgebiet leben und sich Ihrer Sensibilität und Ihren Besonderheiten nähern möchten, freue ich mich auf Ihren Anruf zur Terminvereinbarung für ein Coaching unter: 02362 7877990 oder per eMail. Eine Literaturliste und weitergehende Informationen stehen eingetragenen Newsletterempfängern zum Download bereit.

Ihre Dörthe Huth

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7 Gedanken zu „Hochsensibel – Potential und Last sensibler Menschen“

  1. Hi, ich habe die Seite hier entdeckt und finde vieles, was für mich passend ist. Super, dass jemand diese Themen aufgreift und auch noch so, dass man nicht gleich pathologisiert wird. Hochsensible sind nämlich keine Hypochonder, so wird es manchmal von anderen dargestellt. Höchste Zeit, dass die Wissenschaft diese Besonderheit nicht weiter ignoriert. Also Danke und gebt auch euch acht, der Tobi

  2. Ich kann einfach nicht verstehen, dass dieses Thema erst so spät
    zum Thema wird. Ich bin auch HSP, bin aber mein halbes Leben
    im Kampf mit mir selbst gewesen. Ich konnte nie aktzeptieren schwach zu sein. So habe ich mich mindestens immer eingestuft.
    Ich bin ca. vor 2 Jahren auf diese angebliche Begabung gestossen und seiner Zeit versuche ich mich neu zu orientieren. Hätte ich schon vor 30 Jahren ein Handbuch für dieses “SEIN” gehabt, wäre mir vieles erspart geblieben. Ich freue mich immer über neue Infos. Vielen Dank Petra

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