Lampenfieber – und was dahinter steckt

Liebe Leserin und lieber Leser,
vor einiger Zeit fragte mich eine Klienten, wie sie ihre Aufregung in den Griff bekommen könnte, wenn sie einmal im Monat vor ihrem Team ihre Arbeitsergebnisse präsentiert. Schon drei Tage vorher würde sie unter Schlafstörungen leiden und je näher der Tag Präsentation käme, umso nervöser würde sie. Bei der Präsentation selbst hat sie immer das Gefühl rot anzulaufen und unter Schnappatmung zu leiden, was ihr eine brüchige Stimme beschert und sie unsicher macht. Sie war sehr erleichtert, als ich erzählte, dass auch ich nicht gerne vor vielen Leuten spreche. Tatsächlich birgt die Angst vor dem Sprechen in der Öffentlichkeit ganz reale Gefahren. Die Zuhörer stellen Leistungsanforderungen an den Redner, an seine Informationsvermittlung und auch an seine Persönlichkeit. Ein bisschen Anspannung brauchen wir, um genug Energie für eine solch außergewöhnliche Situation wie eine Rede oder eine Präsentation aufzubringen. Schauspieler und Sänger berichten davon, dass sie durch das Lampenfieber vor ihren Auftriffen sogar leistungsfähiger werden. Das ist auch wissenschaftlich nachvollziehbar, denn in außergewöhnlichen Situationen schüttet der Körper Adreanalin aus, um uns leistungsfähiger zu machen.

Das Reden vor großen Gruppen gehört bei vielen Berufen dazu

Schüler und Studenten müssen bereits Referate in der Klasse oder vor ihrem Kurs halten, aber auch im Beruf müssen recht viele Berufsgruppen vor anderen sprechen. Lehrer müssen Elternabende veranstalten, Trainer ihre Seminargruppen leiten, Verkäufer ihre Produkte vorstellen und viele andere ihre Arbeitsergebnisse in ihrem Team zur Diskussion stellen. Allein die Vorstellung, vor einer größeren Gruppe von Menschen sprechen zu müssen erzeugt bei vielen häufig schon unangenehme Gefühle. Meist handelt es sich um eher unbewusste Ängste, die zu einer starken inneren Anspannung führen, welche wiederum zu Körperreaktionen führt. Es gibt Menschen, die bei Redeangst rot anlaufen, ihre Atmung nicht mehr unter Kontrolle bekommen, zittern, feuchte Hände oder sogar Schweißausbrüche bekommen.

Ausführlich erklärt das Phänomen Redeangst der Autor Stefan Schimmel. Eine ausführliche Buchbesprechnung finden Sie auf Suite101: Ihr Auftritt bitte

Hinter Lampenfieber, Präsentations- und Redeangst verbergen sich unbewusste Ängste

Wie bei vielen anderen Verhaltensweisen entsteht auch Redeangst meist auf einer unbewussten Ebene. Allein deshalb ist es schon spannend, einmal genauer hinzusehen, was einem an einer Präsentation vor einer Gruppe Schwierigkeiten bereitet. Die Angst zu versagen, ausgelacht zu werden, den roten Faden zu verlieren, zu langweilen können dahinter stecken. Es kann aber auch an einem hohen Maß an Selbstzweifeln liegen, einem geringen Selbstwertgefühl oder mangelnder Selbstakzeptanz. Nicht immer haben diese Ängste einen logisch nachvollziehbaren Hintergrund, manchmal sind sie schon sehr alt und ihr Ursprung nicht mehr nachvollziehbar.
Allerdings fällt vielen Menschen schwer, ihre Ängste überhaupt zuzulassen und zu formulieren. Angst wird häufig mit Schwäche verbunden, dabei ist Angst eine ganz normale Reaktion. Hätten wir keine Angst, müssten wir uns Sorgen machen! Bei Redeangst ist es oft die Befürchtung, die Kontrolle über die Situation zu verlieren, sich zu blamieren oder als inkompetent dazustehen. Gerade im Berufsleben spricht niemand gerne darüber, denn wer auf der Arbeitsstelle zugibt, dass er Angst hat, macht sich angreifbar und verliert vielleicht das Vertrauen seines Teams oder seines Vorgesetzten.

Innere Stärke für Redesituationen aktivieren

Je mehr eine Person über diese ganz eigenen Ängste herausfindet, umso leichter wird es, sie loszulassen, innere Stärke zu aktivieren und die Redeangst zu überwinden. Zur Veränderung der Situation ist auch gar nicht so wichtig, alles aufzuwühlen, was diese Ängste einmal ausgelöst haben könnte. Wichtig ist vielmehr, den eigenen Leistungsanspruch zu überprüfen, überhöhte Erwartungen an sich selbst abzulegen und Katastrophengedanken gegen ein positiveres Vortragsszenarium auszutauschen. Beispielsweise könnte die Freude an der Präsentation der eigenen Arbeit in den Vordergrund rücken. Daher braucht auch nicht jeder gleich eine Psychotherapie, häufig kann ein Rhetorikseminar schon hilfreich sein, ein Persönlichkeitstraining oder Hintergrundinformationen über die entsprechenden Ratgeber-Bücher.

Weinende Rose

Mit diesem Einstieg ins Thema wünsche ich Ihnen eine schöne Woche!
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Ihre Dörthe Huth

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10 Gedanken zu „Lampenfieber – und was dahinter steckt“

  1. Hallo ihr, wenn man Lampenfieber hat, geht das nicht weg, denke ich. Man muss lernen, sich mental besser darauf einzustellen und damit zu leben!!

  2. Mir geht das auch so und ich finde es schon befreiend, dass es auch anderen so geht. Ich hab schon mal ein Seminar dazu gemacht, hat aber nicht so richtig geholfen. Vielleicht haben Sie ja noch ein Paar Tricks auf Lager? Also ich meine, wie ich die Aufregung vor der Präsentation im Team besser in den Griff bekommen kann? Vielen Dank vorab, Sandy

    1. Hallo Sandy, ich weiß ja auch nicht, was Sie schon alles ausprobiert haben, aber über Bewegung lässt sich Stress abbauen und über die Atmung. Die Aufregung braucht ein Ventil, um sich zu entladen. Wer versucht, die Angst zu unterdrücken, verstärkt den inneren Druck. Daher könnte ein Mentaltraining noch hilreich sein, durch das man sich besser auf die Präsentationssituation vorbereiten kann. Also erst einmal: die Aufregung zulassen und über Bewegung abbauen 😉 Viel Erfolg! Ein ausführlicher Beitrag auf kommt demnächst noch dazu.

  3. Sie greifen immer wieder Themen auf, die mich sehr beschäftigen! Wenn man in so Präsentationssituationen gehemmt ist, ahnt man ja schon selbst, dass da ein tiefersitzendes Ding die Ursache ist. Da muss ich wohl mal ran. LG

  4. Also ich brauch Lampenfieber vor einem Auftritt. Ich mag es auch im Rampenlicht zu stehen, ohne etwas Aufregung kommt nicht genug Spannung auf, nicht für die Zuschauer und nich für mich. Viele Kollegen um mich herum machen ein Problem draus. Die Negativbewertung von Lampenfieber beginnt im Kopf.

  5. Ist wichtig, dass nicht alle gleich zur Therapie müssen. Es gibt eben auch einfach schüchtern veranlagte Menschen. Für die ist es nicht einfach, über den eigenen Schatten zu springen, deshalb tut etwas Hilfestellung bestimmt gut 😉

  6. Pingback: My Homepage

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