Manipulationsversuche und Reaktionsmöglichkeiten darauf

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Sie fühlen sich von anderen manipuliert und haben den Eindruck, sich nicht so recht dagegen wehren zu können? In meinen Seminaren und Coachings ist das immer wieder ein Thema, deshalb habe ich in diesem Artikel Erklärungen, hilfreiche Strategien und Reaktionsmöglichkeiten zusammengefasst.

“Das musst du doch einsehen, du hast doch Psychologie studiert!” So versuchte neulich jemand, mich in die von ihm gewünschte Richtung zu manövrieren. Dem voran ging ein Gespräch, in dem ich aus Sicht meines Gegenübers offenbar keine Einsicht zeigte. So kam es zu seinem letzten manipulativen Versuch, mich schnell und effektiv in die gewünschte Ecke zu drängen. Tatsächlich war ich einen Moment lang überrumpelt. Plötzlich waren wir nicht mehr in logische oder emotionale Argumente und Gegenargumente verstrickt, sondern tatsächlich dachte kurzzeitig darüber nach, ob ich im psycho-logischen Sinne etwas „falsch“ mache und eventuell einem anderen Menschen schade, wenn ich bei meiner Ansicht bliebe. Und genau darin liegt die Gefahr, wir akzeptieren durch eine geschickte psychologische Manipulation plötzlich eine andere Meinung, wechseln zu einem anderen Standpunkt oder treffen eine unfreie Entscheidung. Denn emotionale Manipulationen treffen uns meist an einem „wunden Punkt“, also bei Themen und Entscheidungen, mit denen wir selbst noch nicht so ganz im Reinen sind. Daher ist es sinnvoll, einerseits Manipulationsversuche zu erkennen und gleichzeitig unsere empfindlichen Punkte aufzuspüren. Beide Erkenntnisse machen es sehr viel leichter, die eigene Meinung, Vorstellung oder ein Ziel trotz eines Manipulationsversuchs selbstbestimmt zu vertreten.

Manipulationsversuche hat jeder schon erlebt

Im Laufe des Lebens hat wohl jeder von uns schon einmal Manipulationsversuche erlebt. Vielleicht als Kind durch die Eltern, als Erwachsener durch den Partner oder als Mitarbeiter durch den Vorgesetzten. Wenn Sie sich vor Manipulationsversuchen besser schützen möchten, sollten Sie sich mit Ihnen auseinandersetzen. Mit etwas Übung können Sie auf Manipulationen geschickt zu reagieren, eigene Manipulationsversuche als solche  erkennen und sie eventuell sogar selbst ganz bewusst als Mittel zur Zielerreichung einzusetzen. Dabei geht es immer darum, dass jemand den eigenen Standpunkt durchsetzen möchte, anerkannt werden will oder die  Kontrolle über eine Situation bekommen möchte, um auf der Ebene der Emotionen, Bedürfnisse, Einsichten, Wünsche oder Hoffnungen andere Menschen in eine gewünschte Richtung zu beeinflussen.

Eine Manipulation braucht einen Manipulator und ein Manipulations-Opfer

Manipulationen sind keine einseitige Sache. Damit sie wirken, brauchen sie einen Manipulator, der die Manipulation einsetzt und ein „Manipulations-Opfer“, das sich manipulieren lässt. Zwei Gesprächspartner, die sich gleichberechtigt und fair auf Augenhöhe begegnen, benötigen keine gezielten manipulatorischen Techniken, um trotz unterschiedlicher Sichtweisen zu einem Kompromiss zu gelangen. Denn das ist das eigentliche Ziel am Ende: ein Kompromiss, mit dem beide Parteien einverstanden sind. Emotionale Manipulation wird häufig geleugnet Manipulation ist ein sehr negativ besetztes Wort und der Einsatz manipulatorischer Mittel wird daher von den meisten geleugnet: „Ich manipuliere doch niemanden“, sagen die meisten ganz entrüstet. Die bewusste und gezielte Manipulation wird zwar generell abgelehnt, doch Fakt ist, wir Menschen manipulieren uns gegenseitig in den unterschiedlichsten Situationen und mit den verschiedensten Mitteln. Schon ein Kind versucht durch Weinen, Quengeln oder Trotzen seine Eltern dahin zu bekommen, ihm doch noch mehr Schokolade zu geben. Später setzen wir unsere manipulativen Mittel gezielter ein und daher kommen Manipulationen auch in der Partnerschaft, in der Erziehung, im Beruf aber auch im politischen oder religiösen Bereich vor. Das beginnt schon damit, mit einer sanften, einschmeichelnden oder kraftvollen Stimme zu sprechen, weil wir wissen, dass wir einen Menschen auf die eine oder andere Weise besonders für uns einnehmen können. Oder Körpersprache einzusetzen, sich aufzurichten und damit eindrucksvoller oder dominanter zu erscheinen. In anderen Situationen ist es vielleicht hilfreich, zu weinen, sich reizvoll anzuziehen oder vornehm zu sprechen. All dies sind Mittel, die wir meist nicht so ganz bewusst einsetzen, die aber doch bei der Entscheidungsfindung, in Gesprächen, Diskussionen, Besprechungen oder Verhandlungen einem Zweck dienen, dem eigenen Ziel ein Stückchen näher zu kommen. Dazu gibt es noch die richtig unfairen Manipulationen, wie Drohungen, absichtliches Missverstehen, emotionale Erpressung, das Blockieren eines Gesprächs und viele andere mehr.

 

Mit Gelassenheit auf Manipulationsversuche reagieren

Wer wird zum “Opfer” einer Manipulation? Besonders schwierig ist es, wenn Menschen ohne ihr Wissen manipuliert werden oder der Gesprächspartner seine eigentlichen Motive gar nicht verrät. In der Sprache zeigen sich Manipulationsversuche nicht selten durch das Wörtchen “man”: “Man tut dies oder jenes“ oder „man tut dies oder jenes eben nicht”. Damit holt sich ein Manipulator quasi Rückendeckung von der Allgemeinheit, zumindest scheinbar. Denn derjenige vertritt natürlich nicht die allgemeingültigen Regeln sondern in erster Linie seine eigenen. Ein unfairer Manipulationsversuch hinterlässt meist seine Spuren, unangenehme Gefühle vielleicht, ein schlechtes Gewissen, eine unklare Angst oder mehr Distanz zum Gesprächspartner. In einer solchen Situation ist es hilfreich, sich erst einmal zurückzulehnen, durchzuatmen und zu überlegen, was da gerade in der Kommunikation geschieht. Führen Sie sich in einem solchen Fall beide Positionen vor Augen und verfolgen Sie dabe dennoch Ihr Gesprächsziel weiter:

  • Wo will ich in diesem Gespräch hin? Welche Bedürfnisse habe ich und was ist mein Ziel?
  • Wo „erwischt“ der andere mich kalt, welchen wunden Punkt spricht er an, welche Stelle bei mir ist da gerade verletzlich?
  • Welche Absichten verfolgt mein Gegenüber? Was sind seine Ziele? Welche Vorteile hätte er, wenn er mich auf seine Seite zieht?
  • Schade ich dem anderen wirklich, wenn ich meinen Standpunkt beibehalte? Schade ich ihm wirklich, wenn ich nicht nach seinen Vorstellungen handle?
  • Wo könnte der Kompromiss liegen?
Auch der Manipulator fühlt sich häufig als Opfer

Aus Konfliktgesprächen geht aber auch erstaunlicherweise eines besonders hervor: auch der Mensch, der als „Manipulator“ wahrgenommen wird, fühlt sich häufig als Opfer. Durch Übungen wie Perspektivwechsel oder Rollentausch wird deutlich, dass er beispielsweise glaubt, eine bestimmte Anerkennung zu brauchen, sich anderes nicht durchsetzen zu können oder seine Ziele auf andere Weise niemals zu erreichen. Meist gehören große Erwartungen dazu, die er vielleicht nicht direkt äußert sondern stillschweigend voraussetzt. Er fühlt sich ungeliebt, zu kurz gekommen, nicht genügend gewürdigt. Manchmal stecken sogar Aggressionen dahinter, die er sich selbst nicht zugestehen möchte oder nicht ausdrücken kann. Manipulationsversuche haben daher auch immer zwei Seiten. Die große Wachstumschance liegt dabei in der Selbstwahrnehmung und in der Verbesserung der Kommunikationsstrategien. Je mehr kommunikatives Repertoire wir uns aneignen, umso mehr trainieren wir die eigene Persönlichkeit, werden flexibler und souveräner im Umgang mit anderen Menschen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Manipulationen gemacht? Wie hat schon einmal jemand versucht, Sie zu manipulieren? Haben Sie sich schon erfolgreiche Strategien für den Bedarfsfall zurechtgelegt? Was hilft und was eher nicht?

Damit wünsche ich Ihnen eine selbstbestimmte Zeit,

Ihre Dörthe Huth

PS: Wenn Ihnen dieser Beitrag gefällt, erzählen Sie es doch bitte Ihren auch Ihren Freunden auf Facebook, Twitter und Co :)

11 Gedanken zu „Manipulationsversuche und Reaktionsmöglichkeiten darauf“

  1. Liebe Dörthe,

    deine Beiträge finde ich immer sehr interessant und lese sie unwahrscheinlich gern. 🙂

    Ich wurde in dieser Woche auch massiv manipuliert, konnte mich allerdings nicht vorbereiten. Mein Gegenüber ließ zwar meine Sorgen aussprechen, jedoch verstanden sie mich beide gar nicht. Und so wurde ich gefragt, ob ich noch wüsste, worum es ginge, da fand ich plötzlich Oberwasser und antwortete darauf mit klaren Worten. Auch das wurde nicht verstanden, ging sogar völlig nach hinten los. Dabei wünsche ich doch nur Harmonie. Alles, was ich sagte, wurde niedergeredet, meinen Worten wurde kein Glauben geschenkt und so zwingen sie mich zu einem Denken, der nicht zu meiner Persönlichkeit gehört.

    Daraufhin sagte ich mir, loslassen. Und darüber habe ich von dir schon eine Menge gelernt.

    Schreibe weiter so viele interessante psychologische Texte. Ich lese und empfehle sie alle gern 🙂

    Sonnige Grüße und sonnigen Dank
    Sandra

    1. Vielen Dank für deine Rückmeldung, liebe Sandra 🙂
      Vielleicht klappt es über die Zeit, dein Gegenüber zu erreichen. Manchmal gehen Menschen nicht im gleichen Tempo an eine Sache heran oder sehen sehr unterschiedliche Lösungen. Gerade wenn ein Thema auf der Sachebene verhandelt wird, aber eigentlich die Gefühlsebene betrifft, kann da eine Kommunikationsblockade entstehen. Ich wünsche dir also viel Geduld und Hartnäckigkeit, für dich einzustehen.
      Auch dir einen sonnigen Gruß ins Wochenende, Dörthe

  2. Liebe Dörthe,

    vielen Dank, dass du mich auf diesen tollen Artikel aufmerksam gemacht hast. Schon beim Lesen fielen mir viele Situationen ein, wo ich reflektierend sagen kann, ja da gab es Situationen, da wurde ich manipuliert und auch andere, in denen ich bei meinem Standpunkt oder meiner Meinung blieb.

    Aber wie ist das jetzt zum Beispiel mit der Werbung. Ich schaue mir sehr gern Werbung an und ertappe mich so oft dabei, mir Dinge im Geschäft genauer anzusehen, weil die Werbung toll war, mit netten Personen und toller Musik. Kaufe ich dann Dinge, obwohl ich sie gar nicht brauche. Oder noch besser, benutze ich Dinge zum Beispiel einen Duft oder Kleidung, die gar nicht zu mir passen? Und ich weiß wovon ich spreche… 🙂 Ist jetzt Werbung Manipulation oder “NUR” auf sich aufmerksam machen? Lasse ich mich manipulieren, weil ich selbst nicht weiß, was ich will?

    Ich könnte jetzt noch so viel schreiben, wo ich mich manipulieren hab lassen. Mit der Zeit hat es abgenommen. Das liegt sicherlich an meinem persönlichen Lebensweg und natürlich auch an meiner Lebenserfahrung. 🙂 Und aus heutiger Sicht bin ich für manche Manipulation dankbar. Denn dadurch habe ich Dinge erfahren können, die ich nicht mehr missen möchte.

    Vielen Dank liebe Dörthe, für die schönen Gedanken…

    Liebe Grüße, Karin

  3. Liebe Karin,
    du sagst da etwas ganz Wichtiges, die Reflektion von Manipulationsversuchen regen an, sich selbst zu positionieren: will ich das oder will ich das nicht?, bin ich damit einverstanden oder nicht? Je mehr Erfarung in diesen Dingen, umso leichter lassen sich diese Entscheidungen treffen. Gerade, was Werbung angeht, ist es doch interessant ein Bewusstsein für die manipulativen Möglichkeiten zu entwickeln, um zu wissen, wofür man empfänglich ist. Das spart eventuell auch eine ganze Geld.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,Dörthe

  4. Hallo Frau Huth,
    da ist jemand, der ganz viel für mich getan hat, obwohl ich das gar nicht wollte. Das habe ich ihm auch gesagt. Er wollte das aber einfach tun, weil er gerne hilft, hat er immer gesagt. Aber jetzt kommen so komische Forderungen, dass ich die Freizeit mit ihm verbringen soll und tue das auch manchmal, weil er immer wieder betont, wie er in der letzten Zeit für mich da war. Es fühlt sich aber irgendwie falsch an. Ist das auch Manipulation? Und was nu?!
    Schönen Abend noch, Katharina

    1. Liebe Katharina,
      wenn es sich für Sie falsch anfühlt, mit diesem Menschen ihre Freizeit zu verbringen, dann ist es das auch. Nehmen Sie sich und ihre Gefühle dazu ernst. Natürlich ist es auch manipulativ eine vordergründig uneigennützige Hilfe anzubieten, wenn eine Beziehungsabsicht dahinter steht. Da hilft es sicher, klare Grenzen zu setzen. Eventuell müssten Sie dann aber auch bereit sein, auf die Hilfe zu verzichten.
      Mit einem schönen Gruß,
      Dörthe Huth

  5. Super, ich bin gerade hier gelandet, weil mir schon heute früh jemand versucht hat mit den Worten “das kannst du doch viel besser als ich”, seine Arbeit aufs Auge zu drücken. Erst fühlte ich mich geschmeichelt und habe jetzt zusätzliche Aufgaben an der Backe, aber das passiert mir nicht noch einmal. Oder vielleicht geb ich ihm seinen Stapel auch gleich wieder zurück. Also danke schön für diesen Artikel …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.