Rauhnächte – die magische Zeit zwischen den Jahren

Liebe Leserin, lieber Leser,
die Zeit zwischen den Jahren ist seit jeher eine besondere Zeit. Schon nach germanisch-keltischer Tradition wurden den sogenannten Rauhnächten geheimnisvolle Kräfte zugeschrieben. Die zwölf heiligen Nächte setzen sich aus den sechs Nächten des alten Jahres und den ersten sechs Nächten des neuen Jahres zusammen. Sie beginnen mit dem 25. Dezember und dauern bis zum sechsten Januar. Im Volksglauben herrschte lange die Überzeugung, dass die Naturgesetze in den Rauhnächten außer Kraft gesetzt seien, die Grenzen zur Anderswelt daher besonders dünn und der Kontakt zu Geistern, Ahnen und Verstorbenen daher besonders leicht herzustellen sei. Noch heute ist es eine Zeit für Ruhe und Besinnlichkeit, in der wir das alte Jahr verabschieden und das neue so langsam in Empfang nehmen.

Die Rauhnächte entscheiden über das Schicksal im nächsten Jahr

Die Tage zwischen den Jahren werden auch als “Zwölfernächte” und als “Lostage” bezeichnet, denn sie sollen in den nächsten zwölf Monaten über das Schicksal (Los) entscheiden. Dabei steht jeder Tag für einen Monat des nächsten Jahres. Nach dieser Zuordnung entsteht eine Art Orakel, mit dem die Ereignisse des kommenden Jahres vorhergesehen werden können. Die erste Rauhnacht steht für den Januar, die zweite für den Februar usw. Was also in der dritten Rauhnacht geschieht, weist auf die Geschehnisse im darauf folgenden März hin und was in der elften Nacht geschieht, auf die Ereignisse im kommenden November. Übrigens sollen Kinder, die während der Rauhnächte zur Welt kommen, besonders magisch begabt sein. Sie sollen Glück bringen, in die Zukunft sehen können und Kontakt mit Verstorbenen aufnehmen können.
Das Wort Rauhnacht hat weniger mit der rauhen Jahreszeit zu tun als mit „Rauhware“. Das mittelhochdeutsche Wort „rûch“ bedeutet so viel wie haarig und wurde zur Bezeichnung von Tierfellen verwendet, der sogenannten „Rauhware“ oder „Rauchware“. Um den finsteren Gestalten, wie Dämonen und Geistern in den Rauhnächten ihre Macht zu nehmen, wurden sie mit Räucherwerk abgeschreckt. Das Räuchern der Wohnräume galt als reinigend und die Kräuter sollten gerade in dieser Zeit eine besondere Wirkung entfalten. Noch heute dient das Räuchern dazu, die Umgebung von negativen Energien zu befreien und hinterlässt es einen angenehmen Geruch im Haus. Vielleicht wurde die dunkle Zeit auch daher als “Rauhnächte” bezeichnet.

Sonnen- und Mondkalender stimmen nicht überein

Die Rauhnächte sind auch eine Folge des Mondkalenders, denn während der Sonnenkalender 365 Tage umfasst, beinhaltet der Mondkalender 354. Damit beide Kalender nicht voneinander abweichen, werden die sogenannten toten Tage hinzugefügt, die sich außerhalb des Mondkalenders befinden. Die Hälfte dieser Tage werden dem alten Jahr zugeschrieben, die andere Hälfte dem neuen Jahr. Als wichtigste Rauhnächte gelten die Thomasnacht, die Heilige Nacht, Silvester und die Nacht zum Dreikönigstag. Am dünnsten soll die Grenze zur Anderswelt zur Mitte der Rauhnächte sein, also zu Silvester.

Verschmelzung vorchristlicher Bräuche mit christlichen Riten: Weihnachten

Weihnachten, das Geburtsfest Christi, war im frühen Christentum noch unbekannt. In Mitteleuropa wurde es erst etwa um 800 nach Christus durch Karl den Großen zu einem kirchlichen Fest. Althergebrachtes Brauchtum und christliche Riten haben sich in den folgenden Jahrhunderten miteinander vermischt. Der eigentliche Beginn der Rauhnächte könnte daher früher mit der Wintersonnenwende am 21. Dezember zusammengefallen sein. Heute kann nicht mehr mit Sicherheit gesagt werden, welche Traditionen der Rauhnächte aus vorchristlicher Zeit stammen. Ganz allgemein gilt für die zwölf Nächte auch zu Zeiten christlichen Glaubens der Gedanke an die Öffnung der Pforten zur Anderswelt und die Vorstellung eines wilden Geisterheeres, das Angst und Schrecken verbreitet.

Die wilde Jagd – Mythen und Legenden rund um die Rauhnächte

Scharen von Geistern, Dämonen und anderen Wesen sollen in den Rauhnächten ihr Unwesen treiben. Nach germanischer Überlieferung fuhr in der Zeit der Raunächte das wilde Heer des obersten Gottes Odin durch die Lüfte und riss jeden mit sich, der ihm begegnete. In anderen nordeuropäischen Traditionen war der Anführer der nächtlichen Umzüge der wilde Jäger “Wode”, was wiederum auf die germanische Tradition und ihren obersten Gott Wodan zurückzuführen ist. Wodan (Wotan oder auch Odin) war ein kriegerischer Gott, der jedoch auch für Weisheit und Poesie stand. Er schenkte den Menschen die Runen und damit die Fähigkeit des Schreibens. Seine Frau Freya symbolisierte Fruchtbarkeit und Lust. Die beiden Götter wurden geehrt und ihre Anwesenheit während der Rauhnächte respektiert. Aus dieser magischen Zeit entwickelte sich eine Gefahr für die christliche Seele, indem Wodan zum Anführer eines Totenheeres erklärt wurde und Freya zu einer Dämonin. Geister wurden zu ruhelosen, wilden Jägern, die zu Lebzeiten großes Unrecht verübt haben und deren Seelen daher keine Ruhe finden können. Die Angst vor der wilden Jagd war groß, allerdingst könnte dies auch eine frühe Form der Warnung gewesen sein, in dieser unwirtlichen Zeit lieber zu Hause zu bleiben.

In eigener Sache: Sind Sie schon in den Info-Verteiler eingetragen? 
Wenn nicht, geht es hier lang: Eintrag in den Newsletter

Wenn die Tiere sprechen können und die Percht umgeht

Während der geheimnisvollen Rauhnächte sollen sich die Menschen möglichst unauffällig und still verhalten. Größere Arbeiten sollen erst wieder nach dieser Zeit verrichtet werden. Auch die Wäsche soll während dieser Zeit nicht im Freien aufgehängt werden und schon gar keine Wäscheleinen. Die Wilde Jagd könnte sich einerseits in den Leinen verfangen, andererseits durch die Berührung der Kleidung Macht über den Besitzer erlangen. Selbst Tiere sollen während dieser Zeit sprechen können. Doch heißt es häufig auch, wer sie hören kann, muss kurz darauf sterben. In manchen Gegenden dürfen sich die Tiere nach der Überlieferung bei einem Hausgeist über ihren Herrn beschweren, wenn er sie das Jahr über schlecht behandelt hat.
Der althergebrachte Brauch des lärmenden Perchtenlaufes im Alpenland ist vielen bekannt. In Anlehnung an die wilde Jagd werden noch heute unter lautem Glockengeläut und furchteinflößenden Masken böse Geister ausgetrieben und der Winter vertrieben werden. In der Nacht vom fünften auf den sechsten Januar wurden die Felder mit Weihwasser besprengt, um die Erde wieder zum Leben zu erwecken und sie fruchtbar zu machen. Das Christentum setzte den bunten und lauten Perchtenumzügen im Mittelalter die Umzüge der Sternsinger entgegen.

Träume deuten, Bleigießen und Kartenlegen – der Blick in die Zukunft

Es liegt nahe, den Jahreswechsel zu nutzen, um mit Altem abzuschließen und sich für zukünftige Ziele bereit zu machen. Alte Bräuche sind eine gute Möglichkeit, diese persönlichen Veränderungen durch kleine Rituale zu begleiten. Das Bleigießen ist so eine alte Tradition, die viele am Silvesterabend praktizieren, um einen Blick in die Zukunft zu werfen. Andere nutzen die ersten Stunden des neuen Jahres, um Karten zu legen oder zu pendeln. Auch den Träumen wurde in der Zeit der Rauhnächte eine besondere Bedeutung zugemessen. Sie sollen einen Ausblick auf das Geschehen im nächsten Jahr zeigen.

Die besinnliche Zeit lädt auch dazu ein, das eigene Leben einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, die Zufriedenheit in Beruf und Privatleben zu überprüfen und im kommenden Jahr eventuell neue Wege einzuschlagen. Wenn Sie Ihren Jahresabschluss und die Erfolgsplanung für das nächste Jahr nicht dem Zufall überlassen möchten sondern dies einmal gezielt in einem Coaching tun möchten, freue ich mich auf Ihren Anruf zur Vereinbarung eines Termins unter 02362/7877990. Oder Sie schicken mir eine E-Mail über das Kontaktformular. Ich würde mich freuen, Sie in meiner Praxis in Dorsten begrüßen zu dürfen.

Natürlich bin ich auch gespannt auf Ihre Ideen, Rituale und Gedanken zu den Rauhnächten und freue mich, wenn Sie mir diese in einem Kommentar am Ende des Blogeintrags hinterlassen. Und wenn Ihnen dieser Beitrag gefällt, vergessen Sie nicht, ihn Freunden und Bekannten zu empfehlen.

Genießen wir die dunkle Zeit der Rauhnächte,
Ihre Dörthe Huth

PS: Wenn Ihnen dieser Beitrag gefällt, erzählen Sie es doch bitte Ihren auch Ihren Freunden auf Facebook, Twitter und Co :)

13 Gedanken zu „Rauhnächte – die magische Zeit zwischen den Jahren“

  1. Von den Rauhnächten habe ich noch nie was gehört, war wirklich interessant zu lesen!
    Ich lege jedes Jahr Silvester Karten und es bewahrheitete sich immer. Letztes Mal wollte ich dem Gelegten kein Glauben schenken, verwarf es, legte noch einmal: Der Inhalt war derselbe. Bin natürlich wieder gespannt, was das folgende Jahr bringt.
    Sonnige Grüße
    Sandra

    1. Liebe Sandra,
      es freut mich, dass dies Thema der Rauhnächte dich auch anspricht. Eine schöne Zeit, finde ich und das Kartenlegen passt wunderbar da hinein. Dass du gleich zweimal den gleichen Inhalt erwischt, ist schon bemerkenswert. Ich bin auch sehr gespannt, was das nächste Jahr so alles an Veränderungen mit sich bringt.
      Ganz herzliche Grüße,
      Dörthe

  2. Bei uns steht zwischen Weihnachten und Neujahr die Spielezeit ganz hoch im Kurs. Ich mache mir da gar nicht so viele Gedanken um das alte oder das neue Jahr, da gehe ich ganz entspannt mit um. Die meisten unserer Bekannten haben dann Urlaub, fahren aber nicht weg, daher laden wir uns gegenseitig zu Spieleabenden ein. Es ist endlich mal eine Möglichkeit, Freundschaften aufzufrischen, gemeinsam zu lachen und die dunklen Tage sinnvoll zu nutzen. Das kann ich nur jedem empfehlen, egal ob sich nur die Erwachsenen zum Spieleabend treffen oder zwei Familien mit Kindern, großen Spaß macht das auf jeden Fall.

  3. Mir geht der ganze Konsumrummel um die Weihnachtszeit so gewaltig auf die Nerven, dass es sich bei uns eingebürgert hat, über Weihnachten und Neujahr in den Süden zu fliegen. Wir genießen die dunkle Zeit unter Palmen, mit einem Cocktail in der Hand und nehmen das Silversterdinner in Urlaubsstimmung am Strand ein. Wir können uns das kaum noch anders vorstellen. Manche Familien fliegen sogar im Großverbund mit Großeltern und Kindern, das ist auch eine tolle Sache. Die viele Arbeit, die sich die meisten um diese Zeit machen, wie kochen, backen und putzen, entfällt und im Urlaub sind alle ziemlich gut drauf.

    1. Hallo Isabel, das ist natürlich auch eine interessante Alternative. Dann wünsche ich erst einmal eine gute Reise und einen schönen Urlaub!

  4. Bei uns hat es sich eingebürgert, dass zwischen Weihnachten und Neujahr die Familie noch einmal zu einem Traditionsabend zusammenkommt. Für uns geht es darum, etwas mehr von der Geschichte der Eltern und Großeltern zu erfahren, damit auch die Enkel und Urenkel wissen, woher ihre Wurzeln stammen. Meist werden alte Fotoalben dazu geholt und daraus ergibt sich ein Erzählabend, bei dem sogar die Kleinsten ihre Fragen stellen und gerne zuhören. Der Respekt vor den Älteren, ihrer Lebenserfahrung und ihrer Geschichte wird dadurch deutlich. Aber ich merke auch, dass wir damit den Zusammenhalt unserer Familien stärken. Das ist ein Brauch geworden, den ich nicht mehr missen möchte und den ich nur jedem empfehlen kann, der sich für seine Herkunft interessiert.

    1. Hallo Mike, eine ganz wunderbare Idee, sich die Zeit für Erzählabende in der Familie zu nehmen!

      Aucha allen anderen noch einmal vielen Dank für die Anregungen! Alle Ideen haben etwas für sich. Sowohl der Jahresübergang unter Palmen, die gesellige Spielezeit oder der Erzählabend sowie das Kartenlegen, um sich mit den Ereignissen des nächsten Jahres auseinander zu setzen!
      Liebe Grüße, Dörthe Huth

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.