Johari Fenster - erklärt von Dörthe Huth

Selbstcoaching mit dem Johari-Fenster – Selbst- und Fremdbild vergleichen

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Bild, das wir von uns im Laufe unseres Lebens von uns selbst machen, wird in der Psychologie das Selbstbild genannt und entspricht nicht immer dem, was andere von uns wahrnehmen, dem sogenannten Fremdbild. Oft wollen wir uns ganz anders präsentieren, als wir es nach außen hin tun. Die Präsentation weist Lücken auf und kann daher in der Kommunikation mit anderen Probleme bereiten, zu Enttäuschungen führen, Kränkungen den Weg bereiten und Missverständnisse provozieren. Eine gute Übung, einmal zu überprüfen, wie Selbst- und Fremdbild miteinander verbunden sind, wurde von den amerikanischen Sozialpsychologen, Joseph Luft und Harry Ingham von der University of California entwickelt: Das Johari-Fenster. Das Johari-Fenster ist ein wunderbares Werkzeug, um die Selbst- und Fremdwahrnehmung miteinander abzugleichen.

Die vier Bereiche beim Johari-Fenster

A: ist der öffentliche Bereich, der alle Aspekte unseres Verhaltens beinhaltet, die uns selbst und den anderen bekannt sind, und in dem unser Handeln frei von Ängsten und Vorbehalten erscheint. Diesen Bereich kennt die Familie beispielsweise, das Arbeitsteam oder die Golfgruppe.

B: ist der Bereich, in dem Der blinde Fleck sitzt also den Anteil unseres Verhaltens, den wir selbst wenig kennen, den andere Menschen dagegen recht deutlich wahrnehmen durch Vorurteile, Zuneigungen und Abneigungen oder bestimmte Verhaltensweisen. Dieser blinde Fleck wird anderen häufig durch Gestik oder Tonfall deutlich und kann das Gespräch blockieren oder den Ablauf von Teamprozessen. Da ist zum Beispiel die nach außen hin starke Frau, die ihre Freundin immer wieder vor den Männern warnt. Der Teamleiter, der sich die Gleichstellung von Mann und Frau auf die Fahnen geschrieben hat und dennoch vom Kopiermäuschen redet. Oder die innere Ablehnung eines Menschen, den man eigentlich gar nicht kennt. Unsere “Blinden Flecken” nehmen Raum ein, obwohl wir sie nicht wahrnehmen. Unsere blinden Flecken lenken von dem ab, was wir eigentlich sein und zeigen wollen.

C: ist der Bereich der Privatperson und umfasst den Bereich der Zurückhaltung, also jene Aspekte unseres Denkens und Handelns, die wir vor anderen bewusst verbergen wollen: unsere “heimlichen Wünsche”, unsere “empfindlichen Stellen”, quasi die “private Person”. Durch Vertrauen und Sicherheit zu anderen kann dieser Bereich erheblich eingegrenzt werden.

D: umfasst den unbewussten Bereich, der weder uns noch anderen unmittelbar zugänglich ist. Verborgene Talente und Begabungen können hier ebenso schlummern wie traumatische Erlebnisse.

Je nachdem, wie gut wir uns selbst kennen und wie hoch das Vertrauen zu anderen Menschen ist, sind die einzelnen Bereiche A bis D größer oder kleiner.

Feedback einholen erfordert etwas Mut

Sich die entsprechenden Rückmeldungen einzuholen erfordert Mut. Warum? Weil sie andere Menschen um ein Feedback bitten müssen. Wie andere uns wahrnehmen, können wir uns nicht selbst erschließen. Wie wir auf einen anderen Menschen wirken, sollten wir von diesem selbst erfragen. Dabei sind wir auf ein wohlwollendes Feedback angewiesen, denn nur dann können wir eine solche Rückmeldung auch annehmen. Suchen Sie sich daher jemanden, der Ihre Bitte um Rückmeldung nicht zum Anlass nimmt, Ihnen gleich die Konflikte der letzten zehn Jahre um die Ohren zu hauen. Es erfordert Mut zu fragen, Mut die Wahrnehmung des anderen anzuhören und Mut, diese Wahrnehmung auch gelten zu lassen. Deshalb gelingen solche Rückmeldungen manchmal einfacher in Seminaren, in denen Seminarleiter, ein Therapeut oder Supervisor den Feedback-Prozess steuert. In den Supervisionen und Seminaren erlebe ich immer wieder, dass die Arbeit mit dem Johari-Fenster meinen TeilnehmerInnen sogar richtig Spaß macht. Wenn Sie einen Menschen in Ihrer Nähe haben, der Ihnen ein solche wohlwollende und dennoch ganz ehrliche Rückmeldung geben kann, fangen Sie doch gleich heute einmal damit an. Fragen Sie Ihren Partner, wie er Sie wahrnimmt oder eine Freundin. Versuchen Sie die Rückmeldung als Geschenk zu begreifen, nicht als eine Kritik. Ein Feedback ist das Geschenk, sich selbst einmal durch andere Augen zu sehen.

Sinn und Ziel der Johari-Übung im Überblick

Diese Übung mit dem Johari-Fenster dient dazu, die verschiedenen Anteile in uns zu vereinen, Fähigkeiten und Ressourcen der eigenen Persönlichkeit entsprechend zu spüren und für andere deutlich sichtbar zu machen. Die Ziele sind dabei:

  • mehr Bewusstheit über unser derzeitiges „wer bin ich“ zu erlangen
  • sich zu vergegenwärtigen, wie andere uns wahrnehmen
  • einen Abgleich von Selbst- und Fremdbild zu erstellen
  • versteckte Fähigkeiten oder blinde Flecken offen zu legen, um sie in die Persönlichkeit zu integrieren
  • die Punkte zu verdeutlichen, an denen Sie mehr innere Stärke gebrauchen können
  • uns einen Schubs zu geben, die aktuelle Lernaufgabe anzugehen

Durch den Abgleich von Selbstbild und Fremdbild kann sich der „unbewusste Bereich“ verkleinern. Wenn „Feedback“ angenommen und konstruktiv reflektiert wird. Gleichzeitig wird dann der “offene” Bereich vergrößert. Das kann positive Veränderungen in der Beziehungen zu anderen Menschen führen, da die Wirkung (das Fremdbild) vermehrt den Absichten (dem Selbstbild) entspricht.
Relevant für Rückmeldungen sind vor allem Quadrant B und D. Je kleiner diese Bereiche, umso selbstbewusster ist ein Mensch, umso mehr Klarheit strahlt er nach außen aus und umso stabiler wird auch der eigene Selbstwert. Denn alle vier Bereiche stehen in Wechselwirkung zueinander.

Fangen Sie für sich an: was würde der andere über mich sagen?

Wenn Sie sich noch nicht trauen, den Kumpel zu fragen, die Arbeitskollegin oder den Partner, dann fangen Sie erst einmal für sich an. Nehmen Sie sich Stift und Zettel und malen Sie sich das Joharifenster auf. Denken Sie sich eine Person, die Ihnen angenehm ist und überlegen Sie sich, was diese Person wohl über Sie sagen würde. Aber bitte: Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Versuchen Sie, sich wirklich aus der Perspektive des anderen zu betrachten, damit die Übung auch wirklich hilft, stärker zu werden.

  • Meine Tochter würde vermutlich über mich sagen …
  • Mein Arbeitskollege denkt wahrscheinlich über mich …
  • Meine Katze würde vermutlich über mich sagen …
  • Mein Hund würde vermutlich über mich sagen …

Ein Übungsdokument zum Ausdrucken und Bearbeiten finden Sie im internen Bereich, der eingetragenen Newsletterempfängern vorbehalten ist. Tragen Sie sich direkt hier ein: Eintrag in den Newsletter. Im internen Bereich stehen Ihnen noch mehr Downloads zur Verfügung.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Sie zum aktuellen Abgleich zwischen Selbst- und Fremdbild inspiriert. Berichten Sie mir doch von Ihren Erfahrungen: Wie ist die Übung bei Ihnen angekommen? Wie hat sie gewirkt? Macht sie sich schon im Kontakt zu anderen Menschen bemerkbar? Ich freue mich, wenn Sie mir eine persönliche Nachricht hinterlassen oder auch direkt unter dem Eintragsformular für den Newsletter. Ich bin stets bemüht, Anregungen, Wünsche und Erfahrungen einfließen zu lassen.

Herzliche Grüße sendet

Ihre Dörthe Huth

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