Trauma – seelische Extrembelastungen verarbeiten

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

wir müssen in unserem Leben vieles wegstecken und so manche traumatische Situation erleben. Wer traumatisiert ist, leidet häufig noch lange unter seinem Erleben. Welche Auswirkungen haben solche Extremsituationen und welche Verarbeitungsmöglichkeiten gibt es? All dies ist in diesem Artikel zusammengefasst.

“Du kannst die Wellen nicht anhalten,

aber Du kannst lernen, auf ihnen zu reiten.”

Joseph Goldstein

Die Aufgabe unserer Psyche

Aufgabe unserer Psyche ist es, uns vor seelischen Überforderungen zu schützen und extreme Belastungen abzufedern. Das gelingt nicht immer, denn manche Situationen sind für einen Menschen schlichtweg eine Überforderung. So sind auch die Auswirkungen seelischer Extrembelastungen in vielen Fällen gravierend. Ängste, Depressionen, unkontrollierte Gefühlsausbrüche und Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit sind unter anderem die Folge einer Traumatisierung. Das Vertrauen in die Welt und der Glaube an die eigenen Fähigkeiten sind zutiefst erschüttert. Körperliche oder seelische Gewalt kann ebenso ein Trauma auslösen wie ein Unfall, eine Katastrophe oder eine Nahtod-Erfahrung. Nicht selten entwickelt sich im Anschluss eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD), welche viele Lebensbereiche eines Menschen betrifft und deren Symptome das Leben nachhaltig verändern kann.

Traumatisierende Situationen

Situationen, die uns Menschen traumatisieren können, sind vielfältig. Ein Überfall, eine Mordandrohung, die Beobachtung eines Verbrechens, Vertreibung und Verfolgung, Mobbing, der Ausstieg aus einer Sekte, aber auch Naturkatastrophen wie ein Großbrand, eine Überschwemmung, eine Lawine, ein Erdbeben oder ein Bergrutsch kann zu einem Trauma führen. Ebenso können technische Katastrophen eine psychische Überforderung sein, wie z.B. ein Flugzeug-, Eisenbahn- oder Schiffsunglück, ein Arbeitsunfall oder eine Explosion. Körperliche Extrembelastungen, wie ein überlebter Herzstillstand, starke Schmerzzustände, eine lebensbedrohliche Erkrankung oder auch ein schwerer allergischer Schock können ebenso eine Posttraumatische Belastungsreaktion zur Folge haben. Grundsätzlich kann man zwei verschiedene Arten von traumatisierenden Situationen unterscheiden:

  • einmalige traumatische Erfahrungen: ein Überfall, ein Unfall, eine Vergewaltigung u.ä.
  • länger andauernde beziehungsweise wiederholte traumatische Erfahrungen: jahrelange Vernachlässigung eines Kindes, andauernder sexueller Missbrauch, längere Geiselhaft u.ä.

Traumatisches Erleben überflutet unser Gehirn

In einer traumatisierenden Situation muss das Gehirn meist innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne extrem viele angstbesetzte Reize aufnehmen. Während normalerweise die eingehenden Reize direkt verarbeitet werden, wird das Gehirn in einer Trauma-Situation von den Angstreizen regelrecht überflutet. Eine gezielte Verarbeitung durch Sortieren, Bewerten, Zuordnen und Integrieren der Angstreize ist kaum möglich. Bilder, Geräusche und Gerüche der traumatisierenden Situation sind so stark, dass sie nicht gebündelt werden können sondern als Ansammlung unverbundener Einzelreize im „Traumagedächtnis“ gespeichert werden. Man kann gar nicht begreifen, was da mit einem geschieht. So können später Bilder, Gerüche, Geräusche oder Berührungen aus der Gegenwart, die denen der Traumasituation ähneln, dazu führen, die gesamte Traumasituation zu reaktivieren. Der Geruch einer Zigarette aktiviert dann beispielsweise die Angst- und Ohnmachtsgefühle einer traumatischen Brandsituation aus der Vergangenheit. Das Gehirn nimmt dann nicht wahr, dass die Gefahr bereits vorüber ist, sondern hält die Traumasituation für gegenwärtig.

Die Posttraumatische Belastungsreaktion als Folge

Unsere inneren Schutzmechanismen führen dazu, dass wir eine Extrembelastung überhaupt überleben können und danach sogar weiter funktionieren. Als Folge eines Traumas erleben viele Menschen Übererregungssymptome wie Schlafstörungen, erhöhte Schreckhaftigkeit, starke Stimmungsschwankungen oder Konzentrationsstörungen. Manchen Betroffenen drängen sich die Erinnerungen an die traumatische Situation immer wieder unkontrolliert auf, während andere Erinnerungslücken haben oder unter Albträumen leiden. Viele Betroffene ziehen sich zurück, vermeiden alles, was sie an die traumatische Situation erinnern könnte. Manche Betroffenen haben kaum noch Interesse, an der Außenwelt teilzunehmen, sind aggressiv und für Angehörige und Freunde schwer einzuschätzen. All diese Symptome können direkt im Anschluss an die traumatische Situation erscheinen, sie können sich aber auch nach vielen Jahren noch zeigen. Zudem verstecken sich Symptome hinter anderen Problemen und Erkrankungen. In beiden Fällen fällt die Zuordnung zur auslösenden Situation schwer.

Erste Hilfe und Traumabehandlung

Eine erste Hilfsmaßnahme nach einem extrem belastenden Ereignis ist die Schaffung einer sicheren Umgebung für den Betroffenen. Familie und Freunde können eine wichtige Stütze sein. Der Betroffene sollte über sein Erleben sprechen dürfen, er sollte aber keinesfalls dazu gedrängt werden. Je nach Art und Ausmaß und Art der psychischen Auffälligkeiten bedarf es einer psychotherapeutischen Begleitung, eventuell auch eine medikamentöse Unterstützung oder einen vorübergehenden Klinikaufenthalt. Damit ein traumatisierter Mensch die Kontrolle über sein Erleben wiederbekommt, braucht er die Möglichkeit, seine traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten. Ansonsten besteht immer wieder die Gefahr, dass aktuelle Sinneseindrücke die alte traumatische Situation reaktivieren und damit wieder eine Überflutung möglich wird. Indem Erinnerungen im Schutz der Gegenwart lebendig werden, können die traumatischen Erfahrungen aktualisiert werden. Jeder Betroffene muss für sich seine Form des Ausdrucks finden. Das ist nicht nur über das Gespräch möglich, sondern manchmal lässt sich das Unsagbare besser in Musik ausdrücken oder in einem Bild, durch Tanz oder Gesang. Imaginationsübungen und Entspannungsmethoden helfen dabei, die Situation von damals neu zu bewerten und belastende Erinnerungen dosiert loszulassen. Therapeutisches Ziel ist ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz zu den traumatischen Erinnerungen und ihren auslösenden Reizen zur Verbesserung der Lebensqualität.

Überwinden, was belastet
Überwinden, was belastet

Ich hoffe, Sie konnten einen Überblick gewinnen. Wenn Sie schauen möchten, was für Sie persönlich hilfreich ist, vereinbaren Sie doch gleich einen Praxistermin bei mir in Dorsten. Viele hilfreiche Übungen zur Verarbeitung traumatischer Erfahrungen stellt die Gestalttherapie zur Verfügung. Rufen Sie mich einfach an unter 02362/7877990 oder schicken mir eine E-Mail über das Kontaktformular. Gerne können Sie mir auch Ihre Gedanken, Tipps und Anregungen einfach unten als Kommentar hinterlassen.

Ihre Dörthe Huth

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