Kriegs-Erbe in der Seele - Udo Baer und Gabriele Frick-Baer

Was Kindern und Enkeln der Kriegsgeneration wirklich hilft. Das Sachbuch “Kriegserbe in der Seele”

Liebe Leserin, lieber Leser,

Krieg, Zerstörung und Vertreibung hinterlassen Spuren in der Seele derer, die sie erleben. Seit dem zweiten Weltkrieg ist die Verarbeitung solcher Kriegstraumata ein wichtiges Thema in Medizin und Psychologie – und durch die derzeitige Flüchtlingswelle hochaktuell. Noch nicht ganz so lang ist bekannt, dass die Spuren dieser Kriegserfahrungen auch auf die folgenden Generationen übertragen werden. Seit einigen Jahren haben Kriegskinder und Kriegsenkel begonnen, sich mit ihrer Familiengeschichte auseinander zu setzen. Noch die Kinder und Enkel Betroffener können unter dem leiden, was die Kriegsgeneration erlebt hat. Für die Nachkriegsgenerationen ist das allerdings nicht so recht greifbar. Vielleicht gibt es einen hohen inneren Druck, der nicht so recht erklärt werden kann, die mangelnde Nähe zu den Eltern oder ein grundlegendes Gefühl von Heimatlosigkeit.  Die beiden Pädagogen und Therapeuten Udo Baer und Gabriele Frick Baer haben dazu ein Sachbuch veröffentlicht, das Kriegs-Kindern und Kriegs-Enkeln hilft, sich selbst besser zu verstehen.

Udo Baer und Gabriele Frick-Baer: Kriegserbe in der Seele. 1. Auflage 2015. Gebunden. BELTZ. Gebundene Ausgabe, 16,95 Euro. ISBN:978-3-407-85740-8

Warum auch Kriegs-Kinder und Kriegs-Enkel durch die Traumata der Kriegsgeneration belastet sind

Kriegserlebnisse und besonders die Traumatisierungen, die sie verursachen, betreffen nicht nur die Kriegsgeneration selbst. Häufig werden Auswirkungen über mehrere Generationen „vererbt“, ohne dass sie konkret benannt werden könnten. Unklare Ängste, Einsamkeitsgefühle, übermäßiger Leistungsdruck oder ein Mangel an Liebesfähigkeit können Anzeichen für solche generationenübergreifenden Auswirkungen sein. Vermehrt setzen sich Kinder und Enkel der Kriegsgeneration mit ihrer Familiengeschichte durch Bücher und Filme auseinander. Sie versuchen zu erfahren, was damals geschehen ist, denn häufig können Eltern und Großeltern nur bruchstückhaft darüber sprechen. Viele Menschen, die den zweiten Weltkrieg erlebt haben, haben sich an den Verbrechen des Nationalsozialismus mitschuldig gemacht. Sie wurden zu Tätern, während andere zu Opfern wurden. Und manchmal ist die Grenzen zwischen Täter und Opfer nicht eindeutig, denn einige waren selbst noch fast Kinder oder selbst „nur“ Mitläufer. Täter- und Opfersein sind daher bei vielen gleichermaßen vorhanden. Doch, so die Autoren auf S. 184:„Wenn ein Kind merkt, dass die Mutter oder der Vater einen Kummer hat, aber nicht darüber redet, und das Kind den Grund des Kummers sucht nicht ergründen kann, dann entwickelt das Kind besonders starke Antennen für das Geheimnis, für den Kummer, für das Verstecken des Kummers, für die Leere, für das Schweigen …”. Kriegs-Kinder und Kriegs-Enkel sind dadurch in besonderer Weise belastet.

Kriegserbe in der Seele: Das Sachbuch von Udo Baer und Gabriele Frick-Baer

Udo Baer und Gabriele Frick-Baer möchten mit ihrem Buch die Kette der Traumaweitergabe unterbrechen. Sie sind Gründer der Zukunftswerkstatt Therapie kreativ und seit vielen Jahren traumatherapeutisch tätig.  Bisherige Bücher beinhalten zwar persönliche Berichte, geben aber keine Hinweise darauf, was hilfreich sein könnte. Damit nicht noch unsere Kindeskinder unter den Kriegsfolgen leiden müssen, haben sie in ihrem Buch all das zusammengefasst, was hilft. Das Buch umfasst sechs Kapitel auf 189 Seiten und beschäftigt sich nicht nur damit, wie man sich selbst besser versteht, sondern auch damit, „Wie sie das irritierende an ihren Eltern und Großeltern besser verstehen”, wie man Erklärungen findet, den Schritt beiseite schafft oder die eigene Persönlichkeit würdigt. Das letzte Kapitel beinhaltet kurze Antworten auf häufige Fragen. Wo kommt die diffuse Angst her und was mache ich damit? Warum fällt es mir so schwer, Wurzeln zu schlagen und wo ist meine Heimat? Wo kommen nur die Schuldgefühle her und wie kann ich damit umgehen? All dies sind Fragen, die das Buch speziell für Kriegs-Kinder und Kriegs-Enkel beantwortet. Dazu schlagen die Autoren Übungen aus ihrem Repertoire vor, wie Leitsätze, den Familienregenbogen oder ein Ich-bin-Ich-Buch.

Fazit: Hilfreich und lesenswert

Der Reiz des Buches liegt ganz besonders darin, dass das Buch “Kriegserbe in der Seele”  klar Position für die Kriegs-Kinder und Kriegs-Enkel bezieht und relevante Themen für diese beiden Gruppen ganz lebenspraktisch vorstellt. Das Leid der Kriegsgeneration wird greifbar, doch im Vordergrund stehen ganz klar die Verarbeitungsmöglichkeiten für Kriegs-Kinder und Kriegs-Enkel. Verbindungen werden deutlich, die Beispiele sind nachvollziehbar und ebenso die Hinweise, wie mit all dem umgegangen werden kann. Ein rundum empfehlenswertes Buch.

Wenn Sie aus der Nähe von Dorsten kommen, selbst Kriegskind oder Kriegsenkel sind und sich einmal in einem persönlichen Coaching mit diesem Thema auseinander setzen möchten, freue ich mich auf Ihren Anruf zur Terminvereinbarung unter 02362 7877990 oder schicken Sie mir eine eMail über das Kontaktformular.

Ihre Dörthe Huth

PS: Wenn Ihnen dieser Beitrag gefällt, erzählen Sie es doch bitte Ihren auch Ihren Freunden auf Facebook, Twitter und Co :)

Tragen Sie sich in den Verteiler ein - mit wertvollen Informationen und Übungen

* zwingend
Interesse

Weiterlesen

Übergangstherapie

Selbstheilung

Expressives Schreiben – Belastendes loslassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *