Wie wir Kinder in Probleme einbeziehen, ohne sie zu überfordern

Liebe Leserin und lieber Leser,

wir leben in einer Zeit wunderbarer Möglichkeiten und dennoch inmitten gravierender Schwierigkeiten. Unsere Kinder reifen zwischen den Polen von Markenklamotten und Leistungsdruck auf der einen Seite sowie Geldnot und sozialer Ausgrenzung auf der anderen Seite heran. Eine Welt voller Gegensätze und Ungerechtigkeiten, durch die auch bei Eltern eine gravierende Verunsicherung entstehen kann. In meiner Praxis geht es daher auch immer wieder um die Fragen von Eltern, die nicht so recht wissen, wie sie Ihrem Kind eine bestimmte Situation erklären können: Wie kann ich meinem Kind die Trennung von meinem Mann erklären? Welches sind kindgerechte Worte für den Tod des Opas? Wie managen wir den Umzug, ohne dass mein Kind unter dem Verlust seiner Freunde leidet? All dies sind Fragen, die Eltern in Umbruchssituationen beschäftigen.

Kindern den Weg ins Leben zu zeigen

Die Verantwortung für die emotionale Entwicklung des Kindes liegt hauptsächlich in der Verantwortung der Eltern. Eltern haben die Aufgabe, ihren Kindern den Weg ins Leben zu zeigen, ihnen die schönen Seiten des Lebens ebenso vertraut zu machen, wie mit Niederlagen, Enttäuschungen und Ungerechtigkeiten umzugehen. Manchmal meinen Eltern, sie könnten ihrem Kind die Erklärung einer Situation nicht zumuten. Gerade Eltern, die von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Trennung und anderen Problemen betroffen sind, erleben eine starke Verunsicherung. Abgesehen von den eigenen Nöten und Sorgen, wissen sie oft nicht, ob und inwieweit sie ihr Kind in ihre Schwierigkeiten mit einbeziehen sollen. “Ist die Situation einem Kind überhaupt zuzumuten?”, fragen Eltern im Coaching oder “Sollen wir unser Kind mit solchen Problemen überhaupt belasten?”. Doch das Kind lebt in der Regel inmitten dieser Situation. Es fühlt sie, es spürt sie und bekommt meist mehr mit, als wir Erwachsene denken. Häufig sind Eltern selbst zu betroffen von der eigenen Situation und wissen einfach nicht, wie sie mit all dem umgehen sollen. Es ist nicht so leicht, einem Kind die familiären Schwierigkeiten und deren Auswirkungen zu erklären, wenn man selbst noch nicht so recht damit umzugehen weiß.

Kinder bekommen familiäre Spannungen mit

Gerade bei einem akuten Schicksalsschlag sitzt der Schmerz bei manch einem zu tief, als dass er darüber überhaupt sprechen möchte. Dann auch noch kindgerechte Worte zu finden, ist nicht immer so leicht. Dennoch ist es gerade in solchen Situationen wichtig, Kinder in die familiäre Situation mit einzubeziehen. Natürlich können Kinder noch nicht genau abschätzen, welche Auswirkungen die Probleme der Eltern nach sich ziehen. Kinder haben nicht das gleiche Wissen über die Welt, wie wir Erwachsene. Aber sie bekommen schon sehr früh die gedrückte Stimmung zu Hause mit, die Traurigkeit der Eltern oder die Dauerspannung, die in der Luft liegt. All dies belastet nicht nur den direkt betroffenen Elternteil sondern die ganze Familie.

Kinder machen sich schon früh Gedanken über sich und die Welt

Viele 7 Jährige machen sich bereits weitreichende Gedanken. Das zeigt sich beispielweise darin, dass sie tolle Ausreden erfinden können aber auch Ähnlichkeiten von Dingen oder Situationen erkennen und erklären können. Obwohl der Satzbau noch recht einfach ist, können Kinder bereits Ende des 5. Lebensjahres das, was sie erlebt haben in zeitlich richtiger Reihenfolge einordnen. Sie beginnen Situationen im Rollenspiel oder im Puppenspiel nachzuerleben. So lernen sie, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, die Gefühle anderer zu erfassen und eine Situation komplexer zu begreifen. Kinder bekommen also mehr mit, als wir denken und sollten über die internen Ereignisse in der Familie daher auch eher informiert sein, als die Welt um sie herum.

Wie Kinder gut einbezogen werden können

Kinder sollten auf keinen Fall den dauernden Streitereien über Geld oder Jobsuche ausgesetzt sein, aber sie sollten im Ergebnis altersgerecht über die Situation der Eltern informiert sein. Wer dies nicht tut, läuft Gefahr, dass ein Kind die schlechte Stimmung auf sich bezieht. Wie kann man einem Kind die Situation erklären?

  • den richtigen Zeitpunkt abpassen: in Ruhe, mit Zeit und ungestört
  • klare Worte für die schwierige Situation finden
  • die damit verbundenen Gefühle ausdrücken
  • optimistisch in die Zukunft schauen: wir finden einen Weg!
  • trotzdem realistisch sein: wir können dieses Jahr keinen Urlaub machen …
  • Mut machen: wir werden trotzdem schöne Dinge zusammen unternehmen
  • Dem Kind die Erlaubnis geben, mit seinen Freunden Spaß haben zu dürfen

Inseln der Freude in den Alltag integrieren

Erwachsene neigen dazu, in einer schwierigen Lage das ganze Leben schwarz sehen. Manchmal sind die seelischen Belastungen auch so groß, dass unter der Last der Probleme kaum Antrieb, Motivation und Kraft da ist, sich noch mit den Kindern zu beschäftigen. Bleiben Sie in einem solchen Fall nicht mit sich und Ihren Problemen allein, sondern suchen Sie sich Hilfe. Das vertrauensvolle Gespräch mit Freunden kann ein Anfang sein, aber auch die Telefonseelsorge, eine Beratungsstelle oder ein Coaching. Bitten Sie Verwandte, Nachbarn oder Freunde für eine Zeit mit einspringen, damit die Kinder nicht vor dem Fernseher sich allein überlassen bleiben. Kinder brauchen Inseln der Freude im Alltag!

An den Herausforderungen des Lebens wachsen

Wird zu Hause offen mit Problemen umgegangen, zeugt dies von Elternkompetenz und es profitieren im Bestfall alle Familienmitglieder davon. Sowohl jedes einzelne Familienmitglied als auch der Zusammenhalt untereinander wird dadurch enorm gestärkt. Wenn aber die emotionalen Aufgaben der Familie totgeschwiegen, unter den Teppich gekehrt oder unter einer rosaroten Fassade verdeckt werden, wird ein Kind nicht gut auf das Leben vorbereitet. Auswirkungen auf das spätere Leben können sein, dass das Kind als Erwachsener später Schwierigkeiten ignoriert oder Probleme nicht besprechen kann. Besser ist für ein Kind, an den Herausforderungen des Lebens altersgerecht zu wachsen – und ihm dies zu ermöglichen, dafür sind wir Eltern da.

Wie kann man Kinder in Probleme einbeziehen - ohne sie zu überfordern?
Wie kann man Kinder in Probleme einbeziehen – ohne sie zu überfordern?

 

Wenn Sie sich in Erziehungsfragen sicherer werden möchten, mit einem Familiengeheimnis offener umgehen möchten oder bei der Auflösung einer belastenden Situation begleitet werden möchten, freue ich mich auf Ihren Anruf zur Terminvereinbarung für ein Coaching.

Ihre Dörthe Huth

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