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Die Kraft der Kriegsenkel – Das Buch von Ingrid Meyer-Legrand

Liebe Leserin, lieber Leser,
was haben die Genderbewegung, Ehen ohne Trauschein und Wohngemeinschaften mit dem 2. Weltkrieg zu tun? Die Generation der heute etwa 50 Jährigen ist als Kinder der Kriegskinder aufgewachsen. In Friedenszeiten und im Wohlstand groß geworden, kennen sie das Leid dieser Zeit und der Nachkriegszeit nur aus dem Geschichtsbuch, dem Fernseher oder Erzählungen von Eltern und Großeltern.  Dennoch haben die traumatischen Erlebnisse der Großeltern und Eltern Einfluss auf die Kriegsenkel. Nicht selten sind es langfristige Auswirkungen auf  das ganze familiäre System. In ihrem Buch “Die Kraft der Kriegsenkel” widmet sich Ingrid Meyer-Legrand diesen Auswirkungen und wie Kriegsenkel Kraft aus ihrer Familiengeschichte ziehen können. Besonders beeindruckend fand ich an diesem Buch, dass es dem Leser die Augen für vielfältige Zusammenhänge auf gesellschaftlicher, persönlicher und kultureller Ebene öffnet.

Ingrid Meyer-Legrand: Die Kraft der Kriegsenkel. Europa Verlag, München 2016. Hardcover, 250 Seiten, Preis: 18,99 Euro. ISBN-13: 978-3958900080

Generation Kriegsenkel

Durch die öffentliche Aufarbeitung des Nationalsozialismus und seiner Schrecken, rückte auch das Leid der einstigen Kriegs- und Flüchtlingskinder ins öffentliche Bewusstsein. „Lange Zeit durfte über das Leid dieser Kinder nicht gesprochen werden, denn im Land der Täter durfte es keine Opfer geben“, so Ingrid Meyer-Legrand (S. 14). Dabei war kaum eine Familie vor Flucht und Vertreibung oder anderen Schrecken des Krieges verschont geblieben. Lange konnten sich die Jahrgänge der 1950er bis 1980er Jahre viele Phänomene ihres Lebens nicht erklären. So zum Beispiel die “kalte Mutter”, den “cholerischen Vater”,  mangelnde Lebensfreude oder das Gefühl, nicht im eigenen Leben ankommen zu können. Erst mit dem Kriegsenkelkongress Mitte der 2000er Jahre und den ersten Debatten und Büchern zum Thema, wurde auch in der Öffentlichkeit deutlich, dass die Geschichte der Kriegsenkel eng verwoben mit der Geschichte der Kriegs- und Flüchtlingskinder des 2. Weltkrieges ist und dass bestimmte familiäre und gesellschaftliche Veränderungen auch auf die Auswirkungen des Krieges auf die folgenden Generationen zurückzuführen sind.

Die Kraft der Kriegsenkel

Kriegsenkel sind häufig von den Themen ihrer Eltern besetzt, insbesondere vom Leid, das ihnen widerfahren ist. Häufig hat schon früh eine Rollenumkehr stattgefunden, bei die Kinder die Rolle der Eltern übernehmen mussten. Anhand vieler Fallbeispiele, Interviewausschnitte und Sitzungsprotokolle werden typische Probleme der Kriegsenkel vorgestellt. Dazu bietet Ingrid Meyer-Legrand immer wieder auch Erklärungen an, wie bestimmte zeitliche Phänomene mit der Kriegsenkelthematik zusammenhängen. Dazu gehört die hohe Trennungsrate bei Paaren, die zeitweilig hohe Rate an Kinderlosen oder das Langzeitstudium bestimmter Jahrgänge, ebenso das Genderdenken oder auch das Mitgefühl für die derzeitigen Flüchtlinge. Die Autorin zeigt in vielen Beispielen auch, wie die Kriegsenkel durch die Reflexion ihrer Familiengeschichte bestimmte Erlebnisse aus Kindheit und Jugend anders einordnen und Kraft für ihr Leben schöpfen können. Auch ihre eigene Familiengeschichte erzählt sie in diesem Buch.

Über die Autorin

Ingrid Meyer-Legrand ist Sozialpädagogin, Systemische Therapeutin und Heilpraktikerin (Psychotherapie) mit einer Praxis in Berlin und Brüssel. In den letzten Jahren hat sie bereits vielerlei Artikel  und Interviews zum Thema Kriegsenkel in verschiedenen Fachzeitschriften veröffentlicht. “Die Kraft der Kriegsenkel” ist ihr erstes Buch.
Seit vielen Jahren unterstützt Ingrid Meyer-Legrand ihre Klienten dabei herauszufinden, welche Rolle ihre Herkunftsfamilie spielt und wie das Potential der Familiengeschichte  zur Verwirklichung persönlicher Wünsche eingesetzt werden kann. Dazu bedient sie sich unter anderem der Methode des My Life Storyboard, die auch im Buch ausführlich und gut nachvollziehbar vorgestellt wird.

Fazit zum Buch “Die Kraft der Kriegsenkel”

Ganz besonders empfehlenswert finde das Buch “Die Kraft der Kriegsenkel” deshalb, weil es auf vielfältigen Ebenen gesellschaftsrelevante Bezüge und Verknüpfungen herstellt. Dazu versteht es Ingrid Meyer-Legrand gekonnt, Einzelschicksale in den großen Kontext der Kriegsenkel einzugliedern und dem Leser damit aus vielen kleinen Mosaiksteinchen ein umfassendes Bild der Kriegsenkel zusammenzufassen, ihrer Schwierigkeiten ebenso wie ihrer Kraft. Obwohl ich mich als Kriegsenkelin seit vielen Jahren mit diesem Thema beschäftige, habe ich in diesem Buch auch für mich persönlich einige neue Entdeckungen machen können und werde es sicherlich immer mal wieder zur Hand nehmen.

Ihre Dörthe Huth

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Das Buch rund um die Lebensfreude

30 Minuten Achtsamkeit

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Die Folgen von Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch

Liebe Leserin, lieber Leser,

Vernachlässigung und Misshandlung sind die häufigsten Ursachen körperlicher und seelischer Schädigung von Kindern.  Doch nicht nicht nur gravierende Misshandlungen ziehen schwere Folgeschäden nach sich, sondern auch subtile Formen psychischer und physischer Gewalt. Die Folgen reichen bis ins Erwachsenenalter. Ein Überblick.

Traumatherapie - Dörthe Huth
Foto: Roger Becker

Je jünger das Kind, umso größer die Schädigung

Säuglinge und Kleinkinder sind von ihren Bezugspersonen abhängig, auf deren Fürsorge und zuverlässige Versorgung angewiesen. Für sie kann eine mangelnde Versorgung schon nach kurzer Zeit zu einer lebensbedrohlichen Situation werden. Unter körperlicher Kindesmisshandlung sind dabei alle Handlungen zu verstehen, die mit körperlicher Gewalt einhergehen und zu Entwicklungsbeeinträchtigungen führen können. Die psychische Kindesmisshandlung beginnt da, wo die Bezugspersonen den Kindern zu verstehen geben, dass sie wertlos, ungewollt oder ungeliebt sind oder nur dazu dienen, die Bedürfnisse eines anderen Menschen zu erfüllen. Je stärker die Vernachlässigung und je jünger das Kind, umso größer ist das Risiko dauerhafter Folgeschäden. Misshandelte Kinder sind häufig Kinder, die viel Aufmerksamkeit brauchen. Behinderte Kinder werden häufiger misshandelt als andere Kinder. Doch auch in Familien, in denen die Eltern arbeitslos sind, psychisch krank oder an einer Sucht leiden, kommen Kindesmisshandlungen häufiger vor. Die Folgen von Kindesmisshandlung sind gravierend. So sterben immer wieder Kinder an einem Schütteltrauma, verhungern und verdursten, auch in unserer Überflussgesellschaft. In einem Interview mit dem Schweizer Tagesanzeiger vom 21.01.2010 unterschied der Arzt am Kantonsspital Zürich, Dr. Ulrich Lips, zwischen Misshandlungen aus Überforderung und böswilligen Misshandlungen. Sexuelle Übergriffe nennt er als Beispiel für böswillige Misshandlungen, da sie absichtlich und geplant vor sich gehen. 95 Prozent aller anderen Kindesmisshandlungen geschähen aus der Überforderung der Eltern heraus.

Ganz subtil – psychische Misshandlung

Doch auch ganz subtile psychische Misshandlungen hinterlassen sichtbare Spuren. Zu erkennen ist das beispielsweise in manchen Trennungsprozessen, wenn Eltern ihr Kind manipulieren oder instrumentalisieren. Laut Dr. Lips werden sie beispielsweise mit Aussagen wie diesen konfrontiert: “Du willst doch gar nicht mehr zum Vater/zur Mutter, bei mir ist es doch viel besser”. Psychische Misshandlungen wie Manipulationen, dauernde Erniedrigungen oder Beschimpfungen führen bei Kindern nicht selten zu psychosomatischen Erkrankungen. Viele dieser Kinder sind einfach traurig, wollen nicht mehr spielen, können nicht mehr schlafen oder verweigern das Essen. Sind Kinder über einen längeren Zeitraum solchen Missbrauchssituationen ausgesetzt, können noch gravierendere psychische Störungen die Folge sein, wie beispielsweise eine Veränderung der Persönlichkeitsstruktur. Selbst bei Erwachsenen können solche seelischen Erschütterungen noch eine Überforderung des biologischen Stresssystems verursachen. Das Erleben ist so außergewöhnlich, dass es sich nicht wie gewohnt in den bisherigen Erfahrungsschatz integrieren lässt – um wieder Abstand dazu gewinnen zu können. Der Organismus bleibt auf einem erhöhten Stresslevel in einer Art Daueralarm. Somit wirkt sich traumatisches Erleben nicht nur auf die Psyche sondern auch auf den Körper.

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Beispiele für langfristige Folgen

Die menschlichen Schutzmechanismen führen dazu, dass Kinder solch eine Extrembelastung überstehen und danach sogar irgendwie weiter funktionieren. Dennoch können sich die Folgen von Missbrauch, Misshandlung oder Vernachlässigung auch im Erwachsenenalter noch auf sehr unterschiedliche Art und Weise zeigen. Beispielsweise durch:

•Bindungsstörungen, Beziehungsprobleme oder und Partnerschaftsprobleme

•Störungen in der Wahrnehmung der eigenen Gefühle und / oder des Körpers

•Soziale Isolation, emotionaler Rückzug, Misstrauen gegenüber anderen Menschen

•Depression, Essstörungen, Ängste

•Alkohol – oder Drogenmissbrauch

•Gefühle der Wertlosigkeit, Scham, Schuld, Wut

•psychosomatische Beschwerden

Traumatherapie - Dörthe Huth

Traumatherapie – Damit belastende Ereignisse nicht das ganze Leben bestimmen

Damit die belastenden Ereignisse nicht das Leben bestimmen, ist eine Psychotherapie ratsam oder eine spezielle Traumatherapie. Das weltweit bekannteste Verfahren ist die EMDR-Therapie (Eye Movement Desensitization and Reprocessing), die von der US-Amerikanischen Literaturwissenschaftlerin und Psychologin Francine Shapiro entwickelt wurde. EMDR beruht auf der Annahme, dass schnelle Augenbewegungen, wie sie im Schlaf in den REM-Phasen eines Menschen auftreten, wichtige Ereignisse verarbeiten. Durch die Anleitung zu schnellen Augenbewegungen sollen die Verarbeitungsprozesse im Gehirn aktiviert und der Selbstheilungsprozess angeregt werden.  In Deutschland hat Prof. Dr. Luise Reddemann die “Psychodynamisch Imaginative Trauma Therapie” (PITT)  speziell für Klinikaufenthalte entwickelt. Sie gliedert sich in drei Phasen und beinhaltet Techniken und Methoden aus verschiedenen psychotherapeutischen Verfahren. In der ersten Phase der inneren Stabilisierung wird die Fähigkeit zur Spaltung (Dissoziation) der Psyche genutzt, um sich von belastenden Gefühlen zu distanzieren und der Entwicklung von inneren „Kraftquellen“ Raum zu geben. Mit Hilfe innerer Bilder (Imaginationen) werden belastende Gefühle in der Vorstellung in einen „inneren Tresor“ gebracht und dort weggeschlossen. Der Betroffene erschließen sich ihren inneren „sicheren Ort“, einen „inneren Helfer“ oder aktivieren ihren „inneren Heiler“. Kombiniert mit Achtsamkeits- und Körperübungen sowie einem Notfallkoffer mit Selbsthilfestrategien erlebt der Betroffene zunehmend, dass er wieder fähig wird, sich selbst unter Kontrolle zu bringen.

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Durch Techniken, sich selbst zu beobachten oder die Situation als Zuschauer auf einer Leinwand zu sehen, oder von einem Hubschrauber aus zu beobachten, kann in der zweiten Phase der Traumabearbeitung eine vorsichtige Annäherung an die die traumatischen Gefühle erfolgen.  In der letzten Phase, der Integration des Traumas, geht es darum einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen und Gefühlen von Trauer, Scham, Wut oder Schuld Raum zu geben, um Versöhnung mit sich selbst zu erreichen. Dazu helfen Rituale, Geschichten, Dankbarkeitsübungen und viele weitere Übungen aus verschiedenen therapeutischen Schulen.  Imaginationen, Entspannungsmethoden, Körperübungen, Selbstberuhigungsstrategien und anderes helfen dabei, die traumatische Situation neu zu bewerten und belastende Erinnerungen dosiert loszulassen.

Wenn Sie Möglichkeiten suchen, Stress abzubauen, Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren oder bestimmte Erfahrungen loslassen möchten, freue ich mich auf Ihre Anmeldung zu einem Coaching oder zu einer Übergangstherapie. Rufen Sie mich einfach an unter der Telefonnummer: 02362 7877990 oder schreiben mir eine eMail über das Kontaktformular.

Ihre Dörthe Huth

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Hinweise zum Weiterlesen

Übergangstherapie

 Psychotherapie

Winterwassertief – Lilly Lindner

 Weitere Literaturhinweise zum Thema:

Beate Galm, Katja Hees, Heinz Kindler: Kindesvernachlässigung – verstehen, erkennen, helfen. Reinhardt 2010.

Diana Hahn: Kindesvernachlässigung: Wahrnehmen, Verstehen, Handeln im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe. Diplomica 2011.

Ulrike Alle: Kindeswohlgefährdung: Das Praxishandbuch. Lambertus 2010.

 

Hinweis auf das Übungsbuch Resilienz

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeder Mensch verfügt über Fähigkeiten, belastende Ereignisse zu verarbeiten. Während die einen an solchen Ereignissen zerbrechen, gelingt es den anderen, ihre resilienten Fähigkeiten zu aktivieren und sogar gestärkt daraus hervorzugehen. Das Übungsbuch Resilienz bietet dazu Anleitungen.

Fabienne Berg: Übungsbuch Resilienz. 50 praktische Übungen, die der Seele helfen, vom Trauma zu heilen. Mit CD. Junfermann 2014. ISBN: 978-3-95571-005-7. 16.80 Euro.

Hilfe für die Seele

Geht ein Ereignis über die aktuellen Verarbeitungsmöglichkeiten einer Person hinaus, kann eine tiefgreifende seelische Verletzung die Folge sein. Das Ereignis mit seinen aufwühlenden Bilder, Geräuschen und Emotionen hinterlässt tiefe Spuren im Gehirn. Solche eingefrorenen Erinnerungen belasten eine Person besonders, wenn sie unvermittelt auftauchen. Resilienz befähigt Menschen, schlimme Lebensereignisse zu bewältigen und Krisen zu überstehen. Die Autorin Fabienne Berg weiß aus eigener Erfahrung, dass die Stärkung der seelischen Widerstandskraft hilfreich für die Bewältigung traumatischer Erfahrungen ist.

50 praktische Übungen von Fabienne Berg

Resilienz lässt sich trainieren. Dabei gelten die folgenden Faktoren als Orientierung: Optimismus, Akzeptanz, Verantwortungsübernahme, Verlassen der Opferrolle verlassen, Lösungsorientierung, Loslassen, Neuorientierung, Vernetzung und Glauben. Fabienne Berg hat dazu 50 ganz praktische Übungen zusammengestellt, die traumatisierten Menschen helfen sollen, vom Trauma zu genesen und die eigene Widerstandsfähigkeit zu stärken. Das Buch hilft dabei, sich der eigenen Einstellungen und Erfahrungen zu den jeweiligen Resilienzthemen bewusster zu werden und leitet zu Vorstellungsübungen, zur Selbstreflektion oder zu Affirmationen an.

Unterstützende Fantasiereisen auf CD

Zum Buch gehört eine CD mit Fantasiereisen, die von der Autorin selbst eingesprochen wurden. Die Sprach und Sozialwissenschaftlerin Fabienne Berg hat die acht Übungen so entwickelt, dass sie heilsame Vorstellungsbilder beinhalten, die zusätzliche Unterstützung bieten. Insgesamt ein anregendes Buch für alle, die sich selbst durch die Übungen unterstützen und motivireren möchten.

Resilienter werden - Dörthe Huth

Wenn Sie im Ruhrgebiet zu Hause sind und Möglichkeiten der Entlastung direkt erfahren möchten, freue ich mich auf Ihren Anruf zur Terminvereinbarung. Imaginationen, Achtsamkeitsübungen oder eine Kurzentspannung sind für Meisten effektiv wirksame Hilfestellungen. Sie erreichen mich unter: 02362/7877990 oder schicken Sie mir eine E-Mail über das Kontaktformular.

Gerne können Sie mir auch Ihre Gedanken, Tipps und Anregungen einfach unten als Kommentar hinterlassen.

Ihre Dörthe Huth

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Erste Hilfe nach seelisch belastenden Ereignissen

Liebe Leserin, lieber Leser,

in einer stark belastenden Situation kann es zu einer Überforderung der psychischen Schutzmechanismen kommen. Gewalterfahrungen, Vernachlässigung, Verlusterleben, Naturkatastrophen oder Unfälle und Erkrankungen können traumatisieren, also eine seelische Verletzung hinterlassen. Es handelt sich um seelische Extrembelastungen, nach denen das psychische Gleichgewicht erst einmal wiederhergestellt werden muss. Aber was hilft, wenn die Erinnerungen belasten?

Wenn Erinnerungen belasten

In einer traumatisierenden Situation muss das Gehirn meist innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne extrem viele angstbesetzte Reize aufnehmen und wird davon regelrecht überflutet, sodass eine strukturierte Verarbeitung durch Sortieren, Bewerten und Integrieren der Erfahrungen kaum möglich ist. Die Eindrücke der traumatisierenden Situation sind so stark, dass sie als Ansammlung unverbundener Einzelreize im „Traumagedächtnis“ gespeichert werden. Sie kommen als Bilder, Gerüche, Geräusche oder Berührungen immer wieder an die Oberfläche und reaktivieren die Traumasituation.  Das Gehirn nimmt nicht wahr, dass die Gefahr bereits vorüber ist, sondern hält die Traumasituation für gegenwärtig.

Erzählen bringt nicht immer die gewünschte Erleichterung

Noch heute denken viele Menschen, ein Trauma müsse solange durchgearbeitet werden, bis es verarbeitet ist. Aber Wissenschaft und Praxis haben gezeigt, dass allein das Erzählen über die traumatische Situation nicht die gewünschte Erleichterung brachte. Heute steht daher besonders die Behandlung der Folgeerscheinungen, der Symptome, der Persönlichkeitsveränderungen und der Verhaltensweisen im Vordergrund. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Symptomen, Gedanken, Empfindungen und Körperreaktionen herzustellen und wieder ins Gleichgewicht zu bringen.Das emotionale Gedächtnis, welches das Erleben einordnet und bewertet, ist überaktiv. Ab und zu verschwimmen dann Realität und Vorstellungen miteinander, denn häufig erinnern sich Betroffene nur an Fragmente der traumatischen Situation. Einer aktuellen Theorie zufolge ist das implizite Gedächtnis, das die Erinnerung an das Erleben und die damit verbundenen Gefühle umfasst, besonders aktiv und besonders gut abgespeichert. Dagegen ist das explizite Gedächtnis, das die Erfahrungen räumlich-zeitlich einordnet, durcheinander und braucht wieder eine Ordnung der Inhalte.

Erste Hilfe nach einem Trauma

Eine erste Hilfsmaßnahme nach einem extrem belastenden Ereignis ist die Schaffung einer sicheren Umgebung für den Betroffenen. Familie und Freunde können eine wichtige Stütze sein. Der Betroffene sollte über sein Erleben sprechen dürfen, aber keinesfalls dazu gedrängt werden. Je nach Art und Ausmaß der psychischen Auffälligkeiten bedarf es einer psychotherapeutischen Begleitung, eventuell auch einer medikamentösen Unterstützung oder einer Traumatherapie in einem geschützten Rahmen. Damit ein traumatisierter Mensch die Kontrolle über sein Erleben wiederbekommt, braucht er die Möglichkeit, seine traumatischen Erfahrungen strukturiert zu verarbeiten. Ansonsten besteht immer wieder die Gefahr, dass aktuelle Sinneseindrücke die alte traumatische Situation reaktivieren und damit wieder eine Überflutung möglich wird. Indem Erinnerungen im Schutz der Gegenwart lebendig werden, können die traumatischen Erfahrungen aktualisiert werden. Das ist nicht nur über das Gespräch möglich. Manchmal lässt sich das Unsagbare besser in Musik, in einem Bild, durch Tanz oder durch Gesang ausdrücken.

Belastendes hinter sich lassen
Belastendes hinter sich lassen

Wenn Sie ein belastendes Ereignis hinter sich lassen möchten, aber nicht gleich eine ganze Traumatherapie benötigen, leite ich Sie gerne an, hilfreiche Imaginationen, Körperübungen und Entspannungsstrategien auszuprobieren. Rufen Sie gleich zur Terminvereibarung an unter 02362/7877990 oder schicken mir eine E-Mail über das Kontaktformular. Gerne können Sie mir auch Ihre Gedanken, Tipps und Anregungen einfach unten als Kommentar hinterlassen.

Ihre Dörthe Huth

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Stalking – unerwünscht verfolgt und belästigt

Liebe Leserin, lieber Leser,

ist das noch normal oder schon Stalking? Menschen, deren Leben sich in der Öffentlichkeit abspielt, sind besonders gefährdet, zum Opfer eines Stalkers zu werden. Doch nicht nur Stars und Sternchen haben damit zu tun, Stalking betrifft auch ganz normale Leute. Ein „Stalker“ spioniert sein „Opfer“ aus, belästigt und terrorisiert es auf unterschiedlichste Weisen. Stalker sind häufig unberechenbar und versetzen die Betroffenen in Angst und Schrecken. Viele Betroffene leiden auch noch lange Zeit danach unter körperlichen und seelischen Folgeerscheinungen.

Stalking – was es ist und wie es funktioniert

Der Begriff „Stalking“ stammt ursprünglich aus der Jägersprache und meint das Sich-Anpirschen und Heranschleichen an ein Wild. Im zwischenmenschlichen Bereich bezeichnet Stalking, dass eine Person einer anderen unerwünscht nachstellt und sie verfolgt. Da gibt es den Partner, der mit der Trennung nicht klarkommt und zum Stalker wird, aber ebenso den Nachbarn oder Arbeitskollegen, der plötzlich zum Verfolger wird. Beim Stalking werden die Gewohnheiten und Lebensumstände der Opfer über einen längeren Zeitraum ausgespäht. Stalking zeigt sich auf sehr unterschiedliche Weise und ist manchmal so subtil, dass andere es gar nicht als bedrohlich wahrnehmen. Das geht von Telefonterror über das Ausspionieren von Gewohnheiten bis zum Hinterherfahren beim Einkauf oder dem Auflauern am Arbeitsplatz. Auch Verleumdungen und Beleidigungen über Dritte, das unerwünschte Zusenden von Liebesbriefen oder Geschenken sowie Bestellungen auf den Namen und an die Adresse des Opfers sind typische Stalkinghandlungen. Ebenso das Hinterlassen von Nachrichten auf dem Anrufbeantworter oder per SMS zu allen Tages- und Nachtzeiten, Sachbeschädigungen oder Bedrohungen.

 Die Erforschung des Phänomens Stalking

Es gibt nur wenige Untersuchungen zum Stalking, zum Täterkreis, Motivation oder Verhaltensweisen. Stalking kommt besonders häufig zwischen Ex-Partnern vor und ist damit vorrangig eine Beziehungstat. Es gibt allerdings auch Stalker, die es auf Schauspieler, Politiker oder andere Personen aus dem öffentlichen Leben abgesehen haben. Etwa jeder Zehnte soll laut Statistik im Laufe seines Lebens einmal Opfer eines Stalkings sein. 80 Prozent der Opfer sind weiblich und etwa die Hälfte der Opfer werden von ihrem Ex-Partner gestalkt. Inzwischen weiß man, dass viele Stalker sich anfänglich selbst als Opfer sahen. Für andere ist das Hauptmotiv, Macht über einen anderen Menschen auszuüben. Viele Stalker leiden unter psychischen Störungen, wie z.B. einer Persönlichkeitsstörung oder einer Psychose, in der sie die Realität verkennen.

Wie Stalking-Opfer sich fühlen

Zu Beginn eines Stalkings fühlen sich die Betroffenen häufig nur belästigt. Hält das Stalking an und nimmt an Intensität und Ausmaß zu, rückt bei vielen die Hilflosigkeit in den Vordergrund. Stalking-Opfer leben in ständiger Angst, dass der Stalker ihnen, ihren Kindern oder anderen Angehörigen etwas antut. Schließlich wissen sie nicht, wie der Stalker auf weitere Ablehnung reagiert und wie weit er geht. Viele Betroffene leiden daher in der Folge des Stalkings unter Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit und zunehmenden Ängsten bis hin zu Depressionen. Für viele ist das eine traumatisierende Situation, in der sich manch einer völlig von seiner Umwelt zurückzieht, um sich nicht der Kontrolle des Stalkers auszuliefern. Über die Verstärkung von Sicherheitsmaßnahmen, dem Wechsel des Telefonanschlusses oder durch Wohnungswechsel versuchen viele Betroffene, dem Täter zu entkommen.

Das Anti-Stalking Gesetz

Im Jahr 2006 wurde der Anti-Stalking Paragraph verabschiedet. Mit Paragraph 238 kam etwas mehr Klarheit in die rechtliche Situation. Je nach Schweregrad des Stalkings müssen Stalker mit einer Haftstrafe rechnen. Besonders gefährliche Stalker können zudem vorbeugend in eine sogenannte Deeskalationshaft genommen werde, insbesondere, wenn schwere Straftaten gegen Leib und Leben des Stalking-Opfers zu befürchten sind. Nach Angaben der TU-Darmstadt kommt es in jedem fünften Stalking-Fall neben der psychischen Gewalt auch zu körperlicher Gewalt. Je nach Ausmaß des Stalkings kann es ratsam sein, sich über die Rechtslage bei einem Anwalt zu informieren und eventuell Anzeige bei der Polizei zu erstatten oder eine Unterlassung zu erwirken. Einsicht oder Verständnis ist von einem Stalker nicht zu erwarten. Laut Zeit-Online werden pro Jahr etwa 25.000 Anzeigen wegen Stalking gestellt, dennoch kommt es nur in wenigen Fällen zu einer Gerichtsverhandlung. 2011 wurden nur rund 350 Personen rechtskräftig wegen Stalking verurteilt.

Hilfsmöglichkeiten bei Stalking

Wer gestalkt wird, sollte möglichst rasch reagieren. Heute weiß man, dass ein Stalking möglichst rasch unterbrochen werden sollte, damit sich beim Täter keine Gewohnheit ausbildet. Wer sein Umfeld über das Stalking informiert, kann dafür sorgen, dass keine Informationen an den Stalker weitergegeben werden. Zudem tut Betroffenen der Austausch mit anderen gut. Wer den Stalker einmal ausdrücklich darauf hingewiesen hat, dass ein weiterer Kontakt nicht erwünscht ist, sollte auf nachfolgende Telefonate, eMails oder SMS nicht eingehen. Außerdem raten Experten, in einem unvermeidlichen Kontakt höflich zu bleiben und die Ruhe zu bewahren, um eine weitere Eskalation zu vermeiden. Dafür sollte jede einzelne Belästigung des Stalkers protokolliert und Nachweise aufbewahrt werden.  Am Ende dieses Artikels finden Sie Hinweise zu weiterführenden Informations- und Beratungsmöglichkeiten, denn die Kontrolle über das eigene Leben sollte jeder so schnell wie möglich wieder in die eigene Hand nehmen.

Sich abgrenzen und Nein sagen lernen

Wenn Sie sich unter professioneller Anleitung das Nein-sagen lernen üben möchten, Konflikte in den Griff bekommen möchten oder sich das Loslassen erleichtern wollen, freue ich mich darauf, Sie in einem meiner Coachings oder Workshops begrüßen zu dürfen. Rufen Sie einfach an oder senden Sie mir eine eMail: 02362/7877990.

Ihre Dörthe Huth

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Weiterführende Adressen und Hinweise:

deutsche-stalkingopferhilfe.de

gegenstalking.de

polizei-beratung.de

www.stalkingforschung.de